Von Gürteln, Lappen und anderen wichtigen Spassmaßnahmen

M: »Hallo, Hendrik, wie geht’s?«

H: »Gut, Markus, und selber?«

M: »Geht gut.«

H: »Habe letztens den Armin mal wieder getroffen.«

M: »Und was macht er?«

H: »Er war im Bergbaumuseum. Ich traf ihn an der Vitrine mit den Steiger-Medaillen.«

M: »Der Armin. Der hängt halt noch sehr an seinen Vater.«

H: »Jaja. Medaille geht halt immer. Nur Bergbau geht nimmer.«

M: »Ja, guck mal, wer da kommt. Hallo, Winfried.«

W: »Hallo Hendrik, hallo Markus. Kommt die Malu noch?«

H: »Wieso?«

W: »Ich wollt mit der über Hochwasser reden, die kennt sich doch aus. Gestern hat’s in Stuttgart geregnet und jetzt ist mein Keller voll.«

H: »Ach, Winfried, das kriegste doch allein gemanagt, oder?«

W: »Sag das nicht, Hendrik. Wenn ich dort zum Absaugen runtergehe, steht mir das Wasser bis zum Hals. Schön ist das nicht.«

M: »Hättest mal ein paar Lenzpumpen kaufen sollen, Winfried. Ein Keller ohne Lenzpumpen ist eine Fehlplanung. Sind solche nicht gerade übrig vom Tieferlegen eures Hauptbahnhofs in Stuttgart?«

W: »Aber nein, Markus, die habt ihr doch alle aufgekauft, um in München die zweite Stammstrecke zu bauen und das Grundwasser bei euch tiefer zu legen.«

H: »Nee, echt jetzt Markus? Jetzt bin ich aber enttäuscht. Du hattest mich doch vor zwei Monaten in Düsseldorf angerufen und wolltest doch solche Gerätschaften nigelnagelneu bei uns einkaufen.«

M: »Ja, Hendrik, aber da war der Pressemensch doch an mir dran, und da musste ich aus ökologischen Gesichtspunkten beim Thema Nachhaltigkeit …«

H: »Da haste also die vom Winfried seinen Hauptbahnhof besorgt? Du bist mir ja ein schöner Freund, Markus.«

W»: »Jetzt streite euch beide nicht. Unsere Hauptbahnhof-Lenzpumpen sind sparsam in Verbrauch, schwäbisch halt, Hendrik. Also Kulturgut, da konnten wir noch beim Gebrauchtwarenwert etwas nachtarocken und der Markus hatte nichts dagegen.«

M: »Nun, Hendrik, auch wir in Bayern müssen der Bevölkerung zeigen, dass wir national denken und regional handeln. Wie der Bayer so gerne zwischen Weißbier und Weißwurst sagt: think globally, act locally. What ever it takes.«

H: »Also echt jetzt, Markus, manchmal regt mich eure „Laptop und Lederhose“-Attitüde auf. Denk doch auch mal an uns hier oben. Was glaubste, warum der Armin mit seinen Kabinettskollegen damals seine Kabinettssitzung bei euch abgehalten hatte, statt in Düsseldorf sie abzuhalten? Na?«

M: »Du wirst es mir wohl gleich sagen, Hendrik.«

H: »Nein, nicht weil der Armin Praktikant eines privaten Radiosenders in München war, der wollte euch NRW-Kultur jenseits von „Laptop und Lederhose“ begreiflich machen.«

M: »Ich weiß gar nicht, was du hast, Hendrik. Unsere Symbiose aus „Laptop und Lederhose“ ist doch gelungen. Oder siehst du es anders, Winfried?«

W: »Markus, wir hier sind Schwaben und darum sparsam. Ich spare mir mal eine Bemerkung dazu. Hauptsache die letzte Rate für die Lenzpumpen erhalten wir nächste Woche. Und schön ist es, dass wir hier in Baden-Württemberg euch Bayern ein wenig Lenzpumpenkultur verkaufen konnten.«

H: »Pah, verkaufen, Winfried. Lenzpumpenkultur. Pah.«

M: »Hendrik, bitte mäßige dich. Wir hier in Bayern …«

H: »Markus, ich reg mich nicht auf. Aber diese ach-so-kultigen Lenzpumpen vom Stuttgarter Hauptbahnhof beim Winfried einzukaufen statt bei uns, weißte, was das ist?«

M: »«Du wirst es mir gleich sagen, Hendrik.

H: »Das ist purste, kalte kulturelle Aneignung!«

M: »Was?«

H: »Jawohl, Markus, das ist ganz mieses „Cancel Culture“ gegenüber unserer rheinischen Tagebaukultur und deren Lenzpumpen. Ganz mieses „Cancel Culture“ von dir und deinen Lederhosen-Laptopträgern!«

M: »Hendrik, du übertreibst.«

W: »Da muss ich dem Markus recht geben, Hendrik. Das hat mit kultureller Aneignung nichts zu tun, sondern das ist Business.«

M: »Ich kann für mich selber sprechen, Winfrid. Also, Hendrik, kulturelle Aneignung ist, wenn ihr bei euch in NRW Mitte Ende September überall Oktoberfest feiert.«

H: »Winfried, ich versuch das ja schon bei uns in NRW zu hintertreiben. Oktoberfest hat mit NRW genau so viel zu tun wie Weißwürste mit heißer Curry-Sauce. Ich rede mir bei uns immer schon den Mund fusselig, die sollen das besser „Michaelisfest“ nennen und Pils aus Willi-Bechern saufen, statt Oktoberfest und bayrisches Bier aus Maßkrügen.«

M: »Und das, mein lieber Hendrik, so leid es mir als Bayrischer Landesvater auch tut, das nenne ich „Cancel Culture“ in Reinstform, wenn du versuchst, unseren schönen Begriff „Oktoberfest“ mit dem banalen Wort „Michaelisfest“ zu ersetzen. Und dann noch unser bayrische Braukunst mit banalem Pils im gleichen Satz zu verwenden …«

H: »So mein Quatsch, Markus. Euer Oktoberfest bei uns in NRW durchzuführen, das wäre genau das, was man kulturelle Aneignung nennt!«

M: »Ach ja? Und sowas nicht zu tun und auch noch aktiv dagegen anzugehen, das nennt sich etwa nicht „Cancel Culture“, Hendrik?«

W: »Nun streitet euch beiden nicht. Wir in BW sehen das nicht so eng. Wir können eh alles außer …«

H: »… Hochdeutsch. Wissen wir, Winfried.«

M: »… Bayrisch. Jaja, Winfried.«

W: »Ich weiß gar nicht, was ihr beiden habt. Wir fahren damit ganz gut in Baden-Württemberg.«

M: »Ganz gut fahren? Winfried, da sag ich nur Audi und BMW in Bayern!«

H: »Ihr armen Bayern. Ich sag nur FORD, STELLANTIS, ASTON MARTIN, TOYOTA und Karnevalszüge ohne Schienen. Ganz zu schweigen von Vertriebsniederlassungen von BMW, Audi, Daimler und Porsche. Damit fahren wir in NRW auf alle Fälle besser.«

W: »Ihr Armenhäusler, ihr. Ihr Hungerleider dort habt ja auch nichts anderes in NRW. Sparen könnt ihr ja auch nicht, das können wir Schwaben besser. Drum haben wir auch mehr Kohle als ihr. Und, wenn ihr Kohle besitzen wollt, dann müsst ihr ganze Dörfer wegbaggern, Hendrik, und nennt es Braunkohletagebau.«

H: »Ja und, Winfried? Würden wir unsere Kohle nicht verstromen, dann könnten wir den Strom nicht verkaufen. Wir haben den Strukturwandel geschafft. Da kann Deutschland stolz auf uns sein.«

W: »Und verpestet mit euren Braunkohlekraftwerken unsere CO2-Bilanz.«

H: »Och, Winfried, jetzt machste wieder auf Klimawandel, nur weil nach dem Schauer dir dein Keller abgesoffen ist. Mir kommen die Tränen. Dann baut mal mehr Windräder!«

W: »Du musst gerade reden, Hendrik, du baust doch nur Windräder damit der ganze Braunkohlestaub zu uns ins schöne Schwabenland runter geblasen wird!«

H: »Ach ja? Da sag ich dir mal eins, ich fordere, dass im Länderfinanzierungsausgleich diese kostenfreie Überlassung von Braunkohlestaub im Länderfinanzierungsausgleich zu unseren Gunsten in NRW berücksichtigt wird! Umsonst gibt’s von uns nichts mehr.«

M: »Guter Punkt, Hendrik, wir in Bayern, wir haben im ersten Halbjahr dieses Jahres keine einzige Windenergieanlage stillgelegt. Du, Hendrik, in NRW aber bereits vier. Das ist nicht gut in Zeiten der Stromknappheit, das ist dir schon klar, nicht wahr, Hendrik, oder?«

H: »Dafür haben wir 47 neue gebaut. Und ihr in Bayern? Läppsche drei Windenergieanlagen von den 13 beantragten.«

M: »Was willste damit sagen. Zum Jahresanfang wollten wir nur eine Anlage neu in Betrieb nehmen. Jetzt haben wir eine Steigerung um 300%! Das möchte ich mal in NRW sehen, mein lieber Hendrik. Bayern hatte zuletzt den größten Nettozuwachs aller Bundesländer bei den erneuerbaren Energien. Wir produzieren mehr Solarstrom als das Saarland überhaupt an Strom insgesamt.«

H: »Saarland? Ist ja auch ein riesiges Bundesland.«

M: »Und noch was, Hendrik, der Winfried und ich, wir haben eine Wasserstoff-Allianz gegründet mit höchsten Kompetenzen für diesen Energieträger der Zukunft. Und, denk dran, bevor du wieder mit dem Länderfinanzierungsausgleich kommst: das deutsche Leistungsherz liegt im Süden. Stottert der Motor im Süden, dann schüttelt es Deutschland.«

H: »Komm, Markus, geschenkt. Und wenn ihr dort unten mal wieder Diarrhö produziert, müssen wir wie bekloppt saufen, damit ihr gesäßseitig nicht austrocknet. Du denkst vielleicht, du seist der Nabel der Welt, aber wenn, dann höchstens der andere Punkt auf der gegenüberliegenden Seite paar Zentimeter tiefer!«

M: »Das nimmst du zurück, Hendrik!«

H: »Nehm ich nicht, du Markus, du!«

M: »Doch!«

H: »Nein!«

M: »Doch!«

W: »Oooh. Kinders, hört auf zu streiten, das bringt doch nichts.«

M: »Winfried, halt dich da raus! Wenn ich mit dem Hendrik streite, dann streiten sich mehr als ein Drittel der Deutschen, vertreten durch uns beide. Außerdem freue ich mich doch auf den gemeinsamen Bierzelt-Auftritt, mit Hendrik am 5. September, beim Niederbayrischen Gillamoos-Bierfest. Bekanntermaßen muss zur Vorfreude vorher nur noch Frieden geschlossen werden. Also: ohne Streit, kein Frieden.«

W: »Markus, ich will doch nur, …«

H: »Winfried, der Markus hat recht! Du kannst deinen schwäbischen Wurzeln freien Lauf lassen und dir die Bemerkungen sparen. Södern wirste nie als Handwerk beherrschen.«

W: »Hendrik, also manch mal biste aber auch wirklich ein Wüster in deiner Argumentation. Was hat das eine Sparen mit deinen anderen Bemerkung-Sparen zu tun?«

H: »Vorsicht, Winfried, Fakt ist, wir müssen alle sparen und trotzdem mit kühlem Verstand und heißem Herzen dafür sorgen, dass es niemanden friert.«

W: »Deiner Floskeldrescherei ist kulturelle Aneignung und “Cancel Culture” zugleich. Dem kann ich nur die kalte Schulter zeigen.«

M: »Dreschen ist nur möglich, wo es was zu ernten gibt.«

H: »Klar. Drum bin ich dafür, dass alle in öffentlichen Gebäuden arbeitenden im Winter ins Home Office geschickt werden. Damit sparen wir uns als Land sehr viele Heizungskosten. Wenn niemand in den öffentlichen Gebäuden ist, braucht auch niemand zu heizen, weil niemand drin friert. Das dadurch Ersparte können wir im Sinne von Angebot und Nachfrage der freien Marktwirtschaft am selbstregulierenden Markt zu höheren Preisen verkaufen.«

W: »An wen?«

H: »Zum Beispiel an die im Home Office arbeitenden Menschen, welche es bei der Arbeit auch noch recht wärm haben möchten. Es macht doch keinen Sinn, bei denen nicht zu sparen, denen eh nichts erspart bleibt.«

M: »Hendrik, grandios, das werde ich gleich an meinen CSU-Generalsekretär, dem Blume, weiterleiten? Er kann dann im Bayrischen Rundfunk bei seinen zuhörenden Bayern punkten.«

H: »Aber du musst ihm sagen, dass es von mir ist, Markus, nicht wahr.«

W: »Ääääh, und ich? Was sag ich meinen Bürgern in Baden-Württemberg, wenn es denen frieren sollte?«

M: »Winfried, ich dachte, ihr in BW könnt alles außer Hochdeutsch? Sollen die sich doch mit Waschlappen warmrubbeln, wer ein verfrorener Lappen ist.«

H: »Oder die könnten doch auf Spinnern strampeln, damit eure restlichen Lenzpumpen am Stuttgarter Hauptbahnhof mit erneuerbare Energie aus den Spinnern gespeist werden.«

M: »Nebenbei, Winfried, brauchst du noch eine Lenzpumpe für deinen Keller? Ich glaube, vom Kauf eurer Lenzpumpen haben wir beim Bau der zweiten Stammstrecke in München zwei übrig.«

W: »Zwei?«

M: »Eigentlich nur eine. Die andere haben wir bei uns für die Toiletten unserer Staatskanzlei installiert. Funktioniert ganz famos. Die pumpt all den Unrat aus unserer Staatskanzlei geräuschfrei und unauffällig ab. Und die eine, also die andere, die könnten wir dir noch überlassen, Winfried. Als Staatsgeschenk. Zur Erhaltung und Förderung der gemeinsamen Freundschaft.«

W: »Ach nee, Markus, ich bestell lieber eine bei Amazon. Da kann ich die nach getaner Arbeit binnen 30 Tagen kostenlos wieder als Retoure eintüten und schreibe „Habe irrtümlich bestellt“ und krieg das Geld zurück.«

H: »Typisch Schwabe. Will immer nur sparen. Koste, was es wolle.«

W: »Wenn wir bei uns den Gürtel enger schnallen sollen, dann bitteschön dürfen wir uns den Gürtel doch wohl noch aussuchen, oder?«

M: »Gut. Aussuchen lässt sich machen. Dann lad ich euch morgen Nachmittag zum Bummel auf unsere Maximilianstraße in München ein. Da hat es sehr schöne Gürtel.«

H: »Wir in Düsseldorf auf der Kö haben aber auch tolle Gürtel-Markengeschäfte!«

W: »Okay, dann ist es ausgemacht. Morgen nach München und übermorgen nach Düsseldorf. Da wird sich wohl schon noch ein passender Gürtel finden lassen.«

H: »Und dein vollgelaufener Keller? Willste den nicht morgen leer pumpen lassen?«

W: »Nee, habe gerade von Malu eine SMS erhalten. Die kann mich erst nächste Woche zum Hochwasserschaden beraten. Solange muss der Keller nun mal warten.«

M: »Werf einfach ein Waschlappen rein. Vielleicht saugt der alles weg.«

H: »Okay. Also bis Morgen auf der Maximilianstraße. Markus, du sorgst fürs Frühstück und ich bring paar Pressereporter mit. Die Nachwelt soll auch mitbekommen, wie wir uns ums Sparen sorgen.«

M: »Gut. Bis morgen dann. Pfiäteich.«

W: »Bis morgen. Tschissle.«

H: »Jo. Dito. Tschüs mit ü.«

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