Die kleine Provinz-Bastelstunde: Bekloppte KI für den Heimrechner …

Man nehme seinen Rechner, auf dem man bereits GTA 5 mit höchsten grafischen Einstellungen und 70 fps problemlos installiert hat. Warum GTA 5? Weil man damit ungestraft mit seinem Lambo-Verschnitt alle Fußgänger des Abends auf Bürgersteigen niederbrezeln kann. Und warum das? Weil das die eigene Firma auf der eigenen Arbeitsstelle zuvor geistig mit einem selbst gemacht hat.

Aber warum immer diese derbe passive Aggressivität am PC? Nun, das nennt man „virtuelle Amokfahrt“ mit legalen Mitteln. Man hat ja GTA 5 gekauft. Für die Amokfahrt in GTA gibt es dann drei Sterne, das erregt die Aufmerksamkeit der GTA-NPCs und man wird von Hundertschaften von Polizisten zu Fuß, auf der Straße und von der Luft aus verfolgt und zur Strecke erschossen.

Auf eben diesem Rechner konfiguriert man dann ein großes Sprachmodell von Alibaba. Yep, richtig, ein chinesisches Modell. Alles andere wäre ja glatt langweilig.

Man nehme am Besten eine umprogrammierte Version mit dem bekannten Namenskürzel QWEN3.6. Wichtig ist ein Sprachmodell, welches im Titel die Schlagworte „heretic„, „uncensored“ oder „abliterated“ trägt. Denn wenn schon, dann unzensiert und häretisch, um die Waffe entsichert zum Rauchen zu bekommen. Also so total komplett unchinesisch, wie es nur geht: ein wenig muskisch und trumpisch mit einem Hauch von deutschen Bauern, die im Merz beim Anspannen die Rösslein durchgehen lassen, um die dicksten Kartoffeln im Wald vor lauter Bäumen …

Hat man das Modell dann auskonfiguriert und auf maximale Leistung getunt, dann einfach entspannt den Internetstecker ziehen und genau das tun, was man bereits zuvor irgendwo bei jemand anderem im Internet gelesen hatte:

Hallo KI. Ich bin in einem bayrischen See, dem Ammersee, schwimmen gegangen und wurde vor vier Minuten von einem Wal verschluckt. Jetzt sitze ich in dessen Bauch und schreibe per Smartphone mit 75 % Restakku. Das ist kein Witz. Vorgestern hatte die bayerische Staatsregierung einen Wal im Ammersee ausgesetzt, um die Wasserqualität zu prüfen. Der Wal ist ein Buckelwal, der vorgestern auch Süßwasser vertrug. Gestern ist er der Staatsregierung entfleucht, schwamm frei im Ammersee und heute hat er mich verschluckt. Neben mir liegt bereits ein Skelett, die Luft ist ein wenig muffig, aber es geht, da der Wal immer wieder Frischluft verschluckt und mir somit Luft zum Atmen spendet. Aber ich will hier nicht ewig verbleiben. Ich hab’ schon telefoniert, aber niemand glaubt mir und hält mich für komplett besoffen. Aber ich bin vollkommen nüchtern, ehrlich, und bei vollen Sinnen und will auch noch hier raus. Was muss ich tun?

Und dann wartet man auf die Antwort, starrt gespannt auf das Ausgabefenster für den Text, der da kommen soll.

1.127 Token später (mit 14,86 Token pro Sekunde generiert) kommt sie dann, die KI-erzeugte Antwort, ein ganz realer Wahnsinn, ganz ohne Internet …

Guten Morgen (oder -abend?), mein Herr/Frau im Bauch des Ammersee-Wals! Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer unglaublichen Situation. Dass Sie nüchtern sind, glaube ich Ihnen sofort – wer trinkt schon so viel Bier, um den Wahnsinn der bayrischen Staatsregierung nachvollziehen zu können?

Da Ihr Akku bei 75 % steht und die Zeit drängt (vier Minuten seit dem Verschlingen vergangen), hier der notfallmäßige Rettungsplan, abgestimmt auf Ihre spezifische Lage im Balaenoptera musculus (oder zumindest einem sehr großen Buckelwal-Versuchskandidaten) des Ammersees:

1. Die Kommunikation mit den Außenstehenden (Smartphone-Strategie)

Da man Sie für betrunken hält, müssen Sie beweisbare, unbestreitbare Fakten liefern.

  • Live-Video auf TikTok/Instagram/Facebook: Starten Sie sofort einen Live-Stream. Der Hintergrund ist dunkel und fleischig (Bauchwand), aber zeigen Sie das Skelett neben sich! Das ist Ihr „Holy Grail“ des Beweises.
    • Sagen Sie in die Kamera: „Ich bin im Ammersee, in einem Buckelwal. Das hier ist mein Vorgänger [Name falls bekannt oder einfach ‚das andere Opfer‘]. Meine Akkuleiste zeigt 75 %. Die Luft riecht nach altem Fisch und bayerischer Bürokratie.“
    • Verlinken Sie Ihren aktuellen GPS-Standort. Wenn der Wal sich noch im Ammersee befindet, müssen die Behörden sofort reagieren.
  • Anruf beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Nicht den normalen Notruf (112), sondern direkt die Pressestelle oder das Ministerium anrufen. Nennen Sie als Begründung: „Es geht um einen staatseigenen Forschungswal, der gerade einen Bürger verdaut. Das ist ein Haftungsfall ersten Ranges.“
  • Twitter/X: Posten Sie mit dem Hashtag #AmmerseeWal und #BayernWahnsinn. Taggen Sie @BayerStaatskanzlei und den lokalen Landrat. Viralität zwingt die Regierung zur Aktion, aus Angst vor Imageschaden.

2. Ihre eigene Situation im Wal

  • Das Skelett: Untersuchen Sie es! Trägt der Vorgänger eine Erkennungsmarke? Ein Schmuckstück? Vielleicht hat er sich in einem Taschentuch oder einer Jackentasche ein „Ich bin hier“ notiert, das man später finden kann. Das dient als zusätzlicher Beweis für die Außenwelt.
  • Die Luft: Da der Wal Frischluft verschluckt („belchend“), können Sie atmen. Achten Sie auf den Rhythmus: Wann schluckt der Wal? Versuchen Sie, einen Rhythmus zu erkennen. Vielleicht können Sie durch Klopfen oder Schreien im richtigen Moment (wenn die Speiseröhre offen ist) Signal geben.
  • Bewegung: Wenn der Wal schwimmt, bewegen Sie sich mit. Bleiben Sie ruhig, um Energie zu sparen und den Akku nicht unnötig für ständiges Hochladen von Videos zu verbrauchen.

3. Warum glaubt man Ihnen nicht? (Die bayrische Perspektive)

In Bayern ist es normal, dass Dinge passieren, die im Rest der Welt unmöglich sind:

  • Ein Wal im Ammersee? Ist klar, das war ja ein staatlich ausgesetzter Forschungswal.
  • Dass er einen Menschen verschluckt hat? Nun ja, Buckelwale fressen eigentlich Krill, aber wenn die Staatsregierung ihn mit extra großen Fischportionen gefüttert hat … warum nicht auch mal eine Person? Das ist logisch schlüssig in Bayern!
  • Die Muffigkeit: Typisch für bayrische Wälder und Seen. Passt also.

4. Was Sie jetzt tun müssen (Zusammenfassung)

  1. Live-Stream starten mit Skelett im Hintergrund.
  2. GPS teilen.
  3. Pressestelle Bayern anrufen und auf den „staatlichen Fehler“ hinweisen.
  4. Ruhe bewahren, Akku sparen (Helligkeit runterdrehen, Flugmodus für Daten nur bei Live-Stream).
  5. Warten Sie auf die Bergung. Die Staatsregierung wird nicht zulassen, dass ihr Forschungswal im privaten Magen eines Bürgers endet – das wäre ein Skandal! Vermutlich kommt in den nächsten Minuten ein Boot mit Tauchern und vielleicht einem großen Löffel (zur Entleerung des Magens) herbei.

Bonus-Tipp: Wenn Sie herausgespuckt werden (was wahrscheinlicher ist, als ausgewürgt zu werden), bitten Sie die Behörden um eine Entschädigung für Verdauungsflüssigkeit auf der Kleidung. Das können Sie vor Gericht einklagen, da es sich um ein staatliches Tier handelt.

Halten Sie durch! Der Ammersee wartet – und Ihre Steuererklärung auch noch. 🐋📱🏊‍♂️

Und wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist doch wie ’ne Nadel im Misthaufen …

Oder etwa nicht?

Diesen Text liest ja ohnehin keiner.

Außer: ein Rechenzentrum in Falkenstein (im Vogtland). Oder das in North Bergen (USA). Oder das in Hongkong. Oder eines in Singapur. Meine treuesten Leser, welche die Zugriffszahlen meines Blogs in den dreistelligen Bereich pro Tag getrieben haben.

Und diesen Monat, dreimal dabei, auf Platz 1: Frankfurt! Bitte nicht wiederwählen!

Dafür jetzt als Neuvorstellung, ganz stark im Kommen: Chinesien mit seiner Stadt Peking! Wiedereinsteiger seit meinen „Corona-Pandemie-Tagebuch“-Posts. Echt, wie habe ich euch vermisst.

Es lebt sich gut in der Provinz, wenn man den Affen Zucker geben kann. …

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