Lebe wild und entbehrlich

(frei nach Paul Zech)

Ich bin so wild nach deiner Schlagzeile,
so süß, so rot – sie blinkt, sie schreit.
„EXKLUSIV!“ steht da – mein Herz zieht Kreise,
ich klick dich an, bin hell bereit.

Ich bin so heiß auf deinen Countdown,
drei, zwei, eins – und nichts passiert.
Werbebild und Pixelmief als Pausenclown
du warst so wild, dass es mich gefriert.

Ich bin so wild nach deinem Clickbait-Mund,
„Du glaubst nicht, was dann geschah!“
Ich scroll mich wund in deiner Gier,
und find doch nur ein Blablabla da.

Dein roter Punkt – ein Erdbeermund,
der mir verspricht: Jetzt wird es echt extrem!
Doch unter’m Hype liegt nur der Grund,
du brauchst mich für deine Klick-Armeen.

Ich bin so wild nach deinem nächsten Ton,
nach deiner Mail, die Großes bringt.
Doch jedes „Wow!“ ist längst gewohnt,
weil’s ohne Inhalt laut erklingt.

Push mich, Baby – kündig an! Wartest worauf?
Sei süßer als jegliche Gegenwart oder jed‘ Realität.
Ich will nur fühlen, will gehen in Flammen auf,
auch wenn, was du sagst, den Bach runtergeht.

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schäm mich fast, dass man’s hier liest.
Ich geb‘ dir meine Energie und Aufmerksamkeit
Drum folgst du mir nie nimmer – in alle Ewigkeit.

2 Gedanken zu „Lebe wild und entbehrlich

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