Lebenszeichen


„Belebe mich!“

Mich beschlich das Gefühl, als ob er mich traurig anschauen würde.
So einsam lag er vor mir. Alleingelassen. Vertrocknet klebte noch die Tinte an seiner Spitze.
Ich ergriff mir ein weißes Blatt Papier, schob es in den Drucker und drückte auf „DRUCKEN“.

„Belebe mich!“

Ich blickte auf ihn herab. Ja, da lag er nun.

„Belebe mich!“

Nein. Ich würde es nicht tun und fühlte eine Gänsehaut an meinem Rücken hochklettern ob alter Erinnerungen.
Ich ergriff ihn und legte ihn wieder in die alte Schachtel, zurück zu all den anderen Erinnerungsstücken einer vergangenen Zeit.
Es ging einfach nicht. Es fehlte etwas entscheidendes.
Die Patronen.

Ein letzter Blick auf meinen alten Schulfüller, dann verschloss ich die Schachtel.

10 Gedanken zu „Lebenszeichen

  1. Ob ich meinen noch finden würde? Ich fürchte nicht. Oder ist das dann doch gut? Meine Erinnerungen sind dann doch eigentlich gut (was aber nicht heißt, dass ich die Schule mochte, aber ich habe gute Sachen geschrieben :) ), aber irgendwie ist das alles doch Ballast, denn die wahren Erinnerungen sind doch in uns. Auch ganz ohne Tinte ;)

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  2. Hallo erstmal! Das war aber eine laaange Auszeit. Hab dich vermisst und freue mich, wieder was von dir lesen zu können. Meine Schulfüller habe ich nicht mehr, wohl drei Kalligraphiefüller von Rotring. Vor geraumer Zeit habe ich mir Tinte gekauft und sie wieder belebt. Eigentlich benötigen sie auch Patronen, aber für die Rotringfüller hatte ich Patronen mit Füllmechanismus gekauft. Das machte sie zu Kolbenhubfüllern. Die Füller funktionieren noch, nur meine Handschrift ist total verkommen. Dein Eintrag erinnert mich, wieder zu üben. Vielen Dank.

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  3. Meinen Schulfüller besitze ich auch nicht mehr. Ich erinnere mich noch als wäre es Heute: Ab dem dritten Grundschuljahr mussten wir mit Tinte schreiben. Kulis waren verboten. Wenn wir ein Diktat schrieben und mittendrin war die Tintenpatrone leer … da hab‘ ich fast einen Herzinfarkt bekommen. Patrone wechseln braucht ja Zeit und so. Ach, und für Tintenflecken auf und zwischen den Zeilen, bekam man eine schlechte Note in „Ordnung“ – und Zeige- und Mittelfinger waren bei mir oft blau, ebenso mein Schreibtisch und meine Pullis. Und später kamen dann die Filzstifte. Unser Careca hat alte Erinnerung wachgerüttelt.

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  4. Ja, sie sind es. Und manchmal brechen sie aus wie wilde Tiere aus einem Keller fallen dich von hinten an und sagen dir: „Ätsch, ich lebe noch.“ Und wir spielen mit ihnen zähmen sie, bis wir sie wieder in den Keller locken können und dort dann auf den nächsten Ausbruchversuch warten … ;))

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  5. Es ist ein Pelikan-kompatibler. Die Patronen sind von Pelikan. Tintenkiller, klar kenn ich noch. Auf alten Aufzeichnungen kann ich heute sehen, wie wirkungsvoll meiner war. War er nicht wirklich. Die alte Schrift zeigt sich wieder.

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  6. Hi, Jules, ich lebe noch. Unlust zu schreiben, kann manchmal sich hinziehen. Und dann reicht manchmal eine Erinnerung. …
    Mein Vater hatte einen Tintenhubfüller und ein Tiintenfaß. Leider wurde er undicht und letztendlich hat sich mein Bruder ihn an sich genommen. Mi Tinte zu schreiben ist ein ganz anderes Gefühl. Es kann Gefühle übertragen, je nachdem wie man schreibt. Schnell, hastig, bedächtig, ärgerlich, meditativ. Es kommt freilich auf die Feder an …

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  7. Das kenne ich auch noch. Deshalb lag immer eine als Reserve im Faulenzer. Oder auch eine zweite, falls ein Mitschüler eine brauchte und man demjenigen – falls sympathisch – einen Gefallen zu tun. Und das Nachfragen war auch immer eine beliebte Methode beim anderen nach Lösungen in Mathe zu schielen …

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  8. Du hast ja so Recht! Manche Erinnerungen möchte ich auch lieber dauerhaft im Keller sehen. Aber die sind schon eigen!

    Sei es drum – irgendwas muss man ja an Aufgaben haben ;)

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  9. Füller, allein schon das Wort jagt mir heute noch eine Gänsehaut über den Rücken! Ich hab‘ etliche verschlissen in meiner Schulzeit und außerdem eine Unzahl an Federn, die man ja einzeln nachkaufen konnte. Waren sie zu dünn, kratzten sie auf dem Papier, dass sich einem die Nackenhaare stellten. Waren sie zu dick, suppte die Tinte unkontrolliert und kleckste alles voll.
    Ich vermisse keinen meiner Füller!

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