"Willkommen auf der Website des elektronischen Reisegenehmigungssystems" (ESTA)

dieser Art von Delikten liegen in der Regel Handlungsweisen zugrunde, die von Natur aus auf niederen Beweggründen beruhen, anstößig oder moralisch verwerflich sind und zudem unvereinbar mit den allgemein anerkannten Regeln der Sittlichkeit und den Pflichten, die gegenüber anderen Personen und der Gesellschaft im Allgemeinen bestehen.

Ich war Soldat in Afghanistan. Als das Auto auf die Straßensperre zufuhr, schossen wir. Nachher zogen wir die Leichen von Frauen und Kindern heraus. Sie hatten auf unsere Aufforderung zum Anhalten nicht reagiert.

Ich war Soldat im Iran. Die Terroristen an der Ecke, wir haben sie mit unserem Apache ausradiert. Gründlichst. Sie hörten uns nicht kommen. Noch nicht mal die Journalisten unter der Gruppe konnten uns fotografieren. Das verkommene Subjekt, dass unsere glorreiche Tat an Wikileaks rausgab, gehört auf den elektrischen Stuhl. Wegen Geheimnisverrats.

Ich flog einen Tornado und ließ auf Befehl Bomben fallen. Hinter mir schoss ein Feuerschweif in den Himmel. Später hieß es, unter den Toten der explodierten Tankzüge sollten auch Taliban gewesen sein. Alles sei vollkomen in Ordnung. Die Nicht-Taliban, das wäre Kollateralschaden. Und sie wären daran selber Schuld. Was geben die sich auch mit Talibans ab.

Ich war in Abu-Ghuraib und bin jetzt auf Guantanamo Bay Naval Base für Frieden und Freiheit. Nein, nicht Gefolterter, sondern wieder Soldat. Sogar als Frau. Ich wusch und wasche viele Gefangenen unter kaltem, klaren Wasser rein. Obwohl sie sich dagegen wehrten und noch immer wehren, trotz das es nur zu ihrem besten ist. Zu ihrem besten, bis dass sie das gestanden haben oder gestehen, was wir von ihnen wollen, weil sie nicht mehr waterboarden wollen.

Ich war in Serbien und woanders, warf damals wie heute ebenfalls Bomben ab. Chirurgische Schnitte nennen wir es. Unser Messer hat eine verdammt breite Klinge. Okay, es trifft Unschuldige. In Serbien auch mal eine chinesische Botschaft. Aber sind nicht auch Unschuldige dann schuldig, weil unter denen immer auch potentiell Schuldige sein könnten? In Serbien, das alles war rechtens, um den Diktator, der die Bevölkerung undemokratisch unterdrückte und quälte, dort zu entmachten.

Ich war Spieler an der Wall Street. Auf Immobilienkredite hatte ich gewettet. Vielmehr gesagt, dagegen. Also darauf, dass die Kredite zusammenbrechen würden. Ich gewann. Andere verloren und wurden arbeitslos. Auch nicht wettende. In der Krise stieg die Anzahl der Vermögensmillionäre weltweit besonders stark. Genau wie die private Verschuldung. Viele Privatpersonen leben von Krediten. Besonders stark in Brasilien. Ich wette darauf, dass auch hier die Kredite wieder ausfallen werden. Und dann gehört mir deren Geld.

Ich war Geldgeber anderer Länder. In Folge den Nachbeben der Mortgage-Krise drohen sie aus der Bahn zu schleudern. Ich rate, diesen Ländern eisern zu sparen. Den eigenen Gürtel bei denen deutlich enger zu schnallen, die sich eh‘ schon nicht wehren können. Solche haben wenig zu verlieren. Wer kaum was hat, dem fällt es nachher kaum auf, wenn er gar nichts mehr hat. Und klappt es nicht, auf die Zahlungsunfähigkeit solcher Länder wette ich bereits. Vergesst nie: Geld kommt zu Geld. Zu mir. Nicht zu den Habenichtsen. Wer nichts hat, kann auch nichts verlieren, der kann deswegen auch mehr geben.

Ich hatte früher einen Fernseher. Heute brauch ich ihn nicht mehr. Ich mache es bereits wie Karl Lagerfeld, ich „streame“ meinen bestellten Inhalt zu mir nach Hause, bin immer bestens informiert. Bei Katastrophen, Mord und Totschlag. Immer online. Nur die armen Teufel mit ihren riesigen Flachbildschirmen und den vielen Schulden deswegen, die sind noch immer nur „live“ dabei. Leben in ihrer gescripteten Resality. Die brauchen ihr Morphium-Kaugummi fürs Großhirn. Und ich verkaufe es ihnen.

Ich habe damals laut im Publikum mitgelacht, als der Mann gröhlend mit der Kettensäge durch den Film lief, eine Frau damit jagte und erledigte. Der Film war zurecht nicht frei ab zwölf Jahre und erhielt das Rating „XX“ für pornografisch: In einer Szene war deutlich der Busen der Frau zu sehen.

Ich bin kompromisslos pro-amerikanisch. Dazu stehe ich. Amerikaner sind unsere Lord-und-Siegel-Bewahrer der Freiheit. Unser Schutzschild gegen die Geißel eines menschenverachtenden Terrors. Der große Bruder für uns ungläubige Thomase. Sie bewahren die Stabilität von Paris/Berlin bis nach Peking und bekämpfen Diktaturen von Kuba über Venezuela bis Iran und Afghanistan.
Ich bekenne mich gegen die Achse der Bösen eindeutig zu der freiheitlich, demokratischen Grundordnung, der einzig Wahren, der Allmächtigen, welche alles geschaffen hat, Cash, Wertpapiere und die allmächtige Börse mit ihren Ratingagenturen, die aus Besitz und Gütern hervorgeht, die mit Besitz und Gütern angebetet und verherrlicht wird. Ich bekenne die eine demokratische und vor allem freiheitliche Grundordnung zur Vergebung meiner wirtschaftlichen Sünden in Gedanken, Worten und Werken. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Und daher vergibt sie mir meine Schuld, wie auch ich lediglich moralisch vergebe meinen Schuldnern, wenn sie alles bezahlt haben. Ich erwarte nicht deren Auferstehung von den wirtschaftlichen Toten, aber dafür um so mehr mein kommendes Leben in der guten, vermögenden Welt.

Dafür würde ich sogar kleine amerikanische Kinder von ihren Töpfchen schubsen.

Wie bitte?
Ich erhalte nicht die Einreiseerlaubnis in die USA?
Wieso dass denn nicht?
Nur wegen dem letzten Satz im vorherigen Abschnitt?
Unglaublich.
Verstehe da einer die Heimatlandschutzbehörde (Department of Homeland Security) …

dieser Art von Delikten liegen in der Regel Handlungsweisen zugrunde, die von Natur aus auf niederen Beweggründen beruhen, anstößig oder moralisch verwerflich sind und zudem unvereinbar mit den allgemein anerkannten Regeln der Sittlichkeit und den Pflichten, die gegenüber anderen Personen und der Gesellschaft im Allgemeinen bestehen.

Es reißt mich aus meinen Tagträumen. Siedendheiss fällt es mir ein: das ESTA-Formular für die USA ist von mir noch auszufüllen, damit ich am Dienstag in die USA eingelassen werde und die USA meine Daten dann 75 Jahre lang aufbewahrt.

Moralisch verwerflich bin ich nicht: weder schubse ich kleine Amerikaner vom Klo noch werde ich jemals Waffe oder Geld gegen das Leben von Menschen richten. Eigentlich sollte meiner Einreise nichts im Wege stehen. Die einmalige Einreisepauschale von 10 US-Dollar werde ich auch freiwillig zahlen.
Und die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den US-Highways verspreche ich auch zu beachten.
Ehrlich.
Doppelschwör.
Das gelobe ich angesichts meiner klammen, wirtschaftlichen Lage und den hohen Bearbeitungsgebühren für ein Verkehrsticket.

In God we trust, the resting bill will be a payback by cash.
Kill bill.
Amen.

2 Gedanken zu „"Willkommen auf der Website des elektronischen Reisegenehmigungssystems" (ESTA)

  1. „Alles für den Dackel, alles für den Club. Unser Leben für den Hu-Hu-Hund.“ El-Cheffe schickt mich. Arbeiten. Ich bin halt bestechlich. Wer mir am Monatsende Geld rüberschiebt, für den arbeitete ich. Dumm ist nur: Leider kassieren andere Paten von mir mit. Nennen sich „Finanzamt“ und „Sozialversicherungen“. Muss ich auch für arbeiten, sonst meckern die und schicken mir deren Schergen auf den Hals … :)

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