Ergebnisorientiert

Ein trüber Tag.
Es regnet feinen Regen und es ist kalt. Eklig kalt. Ein typischer Herbsttag.

– Ich hab gehört, du hast über Gemeinsamkeiten von Köln und München geschrieben?

Er sah mich von der Seite prüfend an. Sein Kölschglas hielt er wie zur Abwehr zwischen sich und mich.
Aha. Scheint das er auch im Internet bei mir mitlist. So langsam finde ich heraus, wer meine acht dreiviertel Blog-Leser sind. Ist doch gar nicht so schwer.

– Wenn es Gemeinsamkeiten gibt, dann dass beide Bier trinken. Aber die einen es permanent imitieren und dazu ein Fest veranstalten, während wir anderen es zelebrieren.

Ich ergriff mein Kölschglas. Es hatte gefühlte Umgebungstemperatur. So um die 7 °C. Wann beginnt eigentlich die Glühweinzeit? Heute? Oder schon gestern? Normalerweise wärmt ein Kölsch von innen her. Ganz besonders im Sommer. Aber wie jedes Bier in kalten Jahreszeiten erfrischt es jetzt nicht wirklich.

– Ich meine, den „Kukupeter“, den du da erwähnst, das war nur ein lausiger Prediger. So ein „Scientologe für Arme“.

Die Scientologen. Ja, die dürfen hier in München offen auf ihrer Straße werben und sie finden ihre Hinterher-Läufer nicht nur bei den Tom-Cruise-Imitaten der Münchener Bussi-Bussi-Gesellschaft.

Der Wirt wechselt mein Glas. Eigentlich dachte ich gerade an einen heißen Zitronentee. Aber mein Gesicht sah wohl eher nach Kölsch aus.

Scientologe für Arme.
Naja.

– Gestern gab es wieder so einen Auflauf in Köln. Die Prediger riefen und 50.000 kamen. Das waren mehr als dem Kukupeter gefolgt sind. Der konnte nur an die 20.000 auf sich vereinen, als er Köln verließ.
– Aha. Und wer sollen die Prediger gewesen sein?
– Na, der Christoph Daum und der Jürgen Klinsmann.
– Komm hör auf, erinner mich nicht daran. Es war grausam. Ich hab es auf Premiere gesehen.

Mit Verzweifelung in seinen Augen spülte er den Rest aus seinem Kölschglas runter.

– 0:3. Hätte mir das vorher jemand gesagt, …
– Zweimal Luca Toni.
– Die Sau. Meine Frau gerät immer in Verzückung, wenn sie den sieht. Das ist doch Ehebruch.
– Und einmal Podolski.
– Ebenfalls Sau. Sowas macht doch kein anständiger Fussballer. Nicht gegen Köln.

Er nahm das neue Kölsch und setzte es an und trank verzweifelt.

– Och, der Podolski macht alles für gutes Geld. Wie die Scientologen.

Er schaute mich mit Verachtung an.

– Der Daum ist nicht der Kukupeter und die Fans des FC Köln keine Kreuzfahrer.
– Stimmt. Aber beim Rückspiel in München werden sie wahrscheinlich genauso abgeschlachtet wie die Fans vom Kukupeter damals. Sind halt keine Düsseldorfer. Die spielen ja in weiser Voraussicht ja schon nicht mehr in den obrigen Ligen mit.

Es wurde ein einsamer Abend in der Kneipe.
Mein Kölsch war so kalt wie die Stimmung, die ich verdarb.
Draußen ging der Nieselregen nieder. Ich beschloss zu gehen. Ob in der Kneipe oder außerhalb der Kneipe. Es machte keinen Unterschied. Kalt war es überall.
Ich hatte schon mal bessere Tage.
Scheiß Wetter.

10 Gedanken zu „Ergebnisorientiert

  1. Ich hatte mich sowieso vertan, es war ein Früh-Kölsch. In Aachen ist das Angebot an Kölschsorten in Flaschen leider gering. Man muss nehmen, was man kriegen kann. Gestern trank ich Gilden Kölsch, Reißdorf – da weiß ich zur Zeit gar nicht, wo es zu bekommen wäre.

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  2. Jo, den permanenten Aufstieg in die 1. Liga … nee, Quatsch, ich denk nur an die 111 Jungfrauen. Ohne Glauben wären die garantiert nicht jungfräulich geblieben … :>>

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  3. Jo, es gibt wirklich schönere Sommerausklänge. Dann habt ihr ja das gleiche Malheur in Hamburg wie hier in München. Deutschland einig kalt Vaterland … :>>

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  4. Und doch haben die Kölner ihren Poldi bejubelt. Ein hübsches Bild war auch, als nach dem ersten Tor der dicke Wurstuli Hoeneß den dünnen Klinsmannjürgen herzte, ihn beinah zu sich auf den Schoß gezogen hätte und sich erst im letzten Moment besann.
    Danke für den unterhaltsamen Kneipenbesuch. Darauf jetzt ein Domkölsch aus der Flasche – ist ja eh bald alles egal.

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  5. Mein Nachbar meinte, beim kurzen Kommentar der Tabelle heute morgen: „Cottbus hat wieder abgestunken.“ Ich meinte: „Na und, jenau wie Köllln!“ Darauf er: „Wieso? Die haben nur 2:1 verloren!“ „Was? Drei-null.“ „Na Poldis Tore zählen doch für uns!“

    Der Glaube hat grade hier in der Domstadt schon beachtliches geleistet. Ich sage: warten wir doch die Saison ab und schaun’mer mal (wobei ich auch in München angekommen bin!).

    Servus!

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