Was Jupiter darf, steht einem Ochsen nicht zu.

smiley Uuuuh.
Da ist die englische SUN aber richtig böse geworden.
Da hat die TITANIC sich mal im Fall „Madeleine“ über die sensations- und auflagenzahlenheischende Berichterstattung lustig gemacht, da wittert das unter BILD-Niveau anzusiedelnde Blatt SUN den geistig-moralischen Weltuntergang.

Deswegen wurde auch gleich der Anwalt von Gerry und Kate McCann, den Eltern der verschwundenen „Madeleine“, eingeschaltet.
Aber nicht wegen einer geistig-moralischen Fehlleistung des Satiremagazins TITANIC.
Nö.
Nicht wirklich.
Sondern um zu prüfen, ob keine Urheberschaftsverletzung wegen den Fotos vorläge. Denn die Familie soll der TITANIC keine Erlaubnis für die Verwendung des Abbildes der Vierjährigen gegeben haben.

Tja, so ist das.
Ohne Royality (Tantiemen) hat man sofort den Anwalt an den Haxen.

Unterdessen heulen andere auf (ob in der Blogosphäre oder draußen in der Journaille), lamentieren darüber, dass es Satire überhaupt geben darf oder was sie überhaupt sein darf, und sorgen sich im aktiven Meinungskampf über die Stammtisch-Lufthoheiten rührend um das Seelenheil der Eltern.

Aber diese Eltern prüfen noch potentielle Urheberrechtsverletzungen durch die TITANIC. Denn sowas könnte vor Gericht Geld einbringen.
Zum Beispiel zur Abbezahlung der Hypotheken, welche von den Eltern möglicherweise aus dem Madeleine-Fonds zuvor bezahlt wurden. Bis es dann den englischen Medien auffiel. Übrigens arbeitet der Vater Gerry McCann seit heute wieder. Das hat aber nichts mit den Hypotheken-Raten zu tun …

Ach ja.

Verletzend den Gefühlen der Eltern gegenüber ist übrigens überhaupt nicht, dass eine andere englische Zeitung („Daily Mirror“) darüber spekuliert, dass Madeleine eine marokkanische Kindersklavin geworden sein könnte …
Denn diese Vermutung lässt sich wunderbar im deutschen Journalismus auf Seite 1 platzieren …

21 Gedanken zu „Was Jupiter darf, steht einem Ochsen nicht zu.

  1. Ja, es ist die Ausschlachtung. Das geht für mich über die normale Berichtserstattung hinaus. Die MacCanns haben freilich ihren nicht unerheblichen Anteil daran. Nicht umsonst hielten sie beim Papst Audienz.
    Übrigens, dass Kinderfotos von vermissten Kindern auf bestimmte Haushaltswarenprodukte gedruckt wurden (nicht als Satire, sondern in Realität), geschah in den USA. Dort hatte ebenfalls ein Ehepaar die Entführung ihres Kindes beklagt. Als die Milchtüten-Kampagne begann, brach das Ehepaar bald darauf ein und gestand den Mord an ihrem Kind.
    Nein, ich will damit jetzt nicht sagen die MacCanns sind selber die Gesuchten im Falle „Madeleine“, sondern die Idee der TITANIC ist an sich ja auch nicht neu. Sie zielt halt nicht auf deren Eltern sondern auf das Mediengetümmel, welches sich auch schon seit einem halben Jahr in deutschen Medien abspielt, mit all seinen Vermutungen, Halbwahrheiten und Spekulationen auf Kosten des Opfers Madeleine.

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  2. Interessant allerdings, wenn Du schon die mediale Ausschlachtung des Falls geschmacklos findest, die Tatsache, daß die Eltern diesen Medienhype gestartet haben. Was mag sie zu diesem Schritt bewogen haben? Warum sind gleich so viele auf diesen Zug aufgesprungen? Ich denke noch an Bilder von David Beckham und erinnere mich, wie ich dachte: Muß ja was ganz besonderes gewesen sein.

    Den wichtigsten Kommentar hast Du in einem Nebensatz gemacht: „(in der ganzen Welt sterben täglich Tausende von „Madeleine“s, aber das bringt kaum Auflage oder diese Breitenwirkung der Presse)“

    Warum gerade dieser Fall? Und wie stark Medien Image schaffen, ist schon beängstigend. Das haben die MacCanns wohl nicht bedacht…

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  3. Die beiden Sätze hatte ich ironisch gemeint.
    Die Fütterung der Massen mit Grausamkeiten ist meiner Meinung nach einfach geschmacklos.
    Ich habe mich wohl total missverständlich ausgedrückt.

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  4. So obacht, unqualifierter Beitrag von mir:

    „Weshalb soll ich mir nicht ein Stück am geschmacklosen Kuchen abschneiden, wenn andere Geschmacklose ja auch recht ordentlich dran verdienen.
    Nein, wirklich nicht meine persönliche Einstellung. Gott sei Dank. “
    Schön das Du, Caramellino, auch gleich beurteilen kannst, welcher Geschmack geschmacklos ist. Gott sei Dank!

    „Die Fütterung der Massen mit Grasusamkeiten gehört zum Standard. Sich darüber lustig zu machen, ist halt geschmacklos.“
    Wieso ist nicht die Fütterung der Massen mit Grausamkeiten geschmacklos, Careca?

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  5. Geldmachen um jeden Preis? Habe ich schon immer abgelehnt. Und es ist mir persönlich egal, ob die Titanic der Verdiener ist oder die Eltern oder die Sun oder…

    Es wäre in meinen Augen aber ehrlicher, man würde es zugeben. Aber auf was hoffe ich denn da?

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  6. Hast du nicht vom gleichen Kuchen gegessen, den dir die Medien zum Verzehr hingesetzt haben? Du hast nicht verdient, aber hat er dich nicht bei Stange gehalten?

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  7. Du weißt, dass du dich mit so einer Stellungnahme außerhalb der Gesellschaft stellst? Dass du hier durch deinen Eintrag ketzerst? Warum? Du gehst auf dünnem Eis.

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  8. Die Fütterung der Massen mit Grasusamkeiten gehört zum Standard. Sich darüber lustig zu machen, ist halt geschmacklos. Aber hauptsache man hat sich zumindest über letztere negativ geäussert …

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  9. Ich finde die Satire der Titanic sehr gut. Diejenigen, die aufschreien, sind doch auch die, die sich gerne die neusten Spekulationen über Maddies Verbleib rein gezogen haben, um sich den wohligen Schauer der perversen Grausamkeit zu gönnen.

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  10. Ok, eine Einstellung, die ich wohl akzeptieren, gleichwohl nicht teilen muss.

    „Weshalb soll ich mir nicht ein Stück am geschmacklosen Kuchen abschneiden, wenn andere Geschmacklose ja auch recht ordentlich dran verdienen.“

    Nein, wirklich nicht meine persönliche Einstellung. Gott sei Dank.

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  11. Nein.
    Keine Rechtfertigung der Titanic, weil die Eltern ihre Tochter „verwirtschaften“ (was sich inzwischen schon als kontraproduktiv für die Suche nach Madeleine erweist).

    Sondern eine Rechtfertigung für die Titanic, eben weil jeder an dem Kind „Madeleine“ unbedingt verdienen will.

    Das, was die Medien und ihre Nutzer da so alle Nase lang in Sachen „Madeleine“ durch die medialen Dorfer treiben, empfinde nicht nur ich als einfach geschmacklos.

    Es geht mir nicht um „Madeleine“ (in der ganzen Welt sterben täglich Tausende von „Madeleine“s, aber das bringt kaum Auflage oder diese Breitenwirkung der Presse), sondern um das, was aus ihr täglich herausgepresst wird, um es medienwirksam in Szene zu setzen.
    Und genau das ist geschmacklos.

    Was soll es also, den Überbringer der schlechten Nachricht, der das ganze zur Satire bringt, zu schlagen, wenn die eigentlichen Geschmacklosen morgen ungerührt weiter machen …

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  12. Ok konkreter.

    Für mich vermittelt der Eintrag eine Rechtfertigung für die Titanic, weil die Eltern von Madeleine nur auf das finanzielle Ausschlachten des „Falles“ aus sind (was ich auch gar nicht anzweifeln will).

    Ich persönlich für mich finde den Artikel einfach geschmacklos, ganz unabhängig vom Verhalten der Eltern und heule zwar nicht auf, tue meine Meinung aber kund.

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