Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Ein Wort aus einem anderen Blogkommentar holt in mir Erinnerungen zurück:
Pleonasmus
Ein Wort wie ein Geheimnis.
Es beeindruckt in jedem Gespräch und garantiert ehrfürchtige Blicke.
Der Mann hat studiert, Der Mann ist Gelehrter sagen die devoten Blicke aus.
Oder aber auch:
Fängt der Angeber schon wieder an?! Der nervt!
Oder aber es mündet in einer spitzfindigen wie ein Degen geführte Gegenfrage.
Was ist ein ‚Pleonasmus‘?
Na ja, ein ‚Pleonasmus‘ ist eine ‚Tautologie‘.
Wie bitte?
Ein weißer Schimmel, eben. Eine tote Leiche, feuchtes Wasser .
Spätestens dann kommt der Einwurf …
Bei mir im Kühlschrank ist der Schimmel grün, die Zombies hängen am Glockenseil und wenn du hier mit deiner Bildung rumstrunzen willst, …
Rumstrunzen.
Das hat nichts mit dem ehemaligen Fußballspieler Thomas Strunz oder der allbekannten berühmt-berüchtigten Rede vom Musse-rühren-Fußballtrainer Trapattoni (Was erlaube Struuunz?!) zu tun.
Das Wort strunzen findet sich noch nicht mal bei Wikipedia oder gar bei Wiktionary. Dabei gibt es davon reichliche Wortableitungen von strunzen: Graf Strunz, Strunzbüggel, strunzdämlich, strunzdumm.
Das Wort hat wohl rheinischen Ursprung und steht für angeben, sich groß tun. Es ist aber auch im Ruhrgebiet und darüber hinaus (z.B. Berlin) zu Hause. Interessanterweise in all den Gebieten, die unter Napoleon französisch besetzt waren.
Natürlich gibt es auch in Bundestaate „Frei statt Bayern“ ein ähnliches Wort. Die haben wohl das Wort in ihre Sprache reinkopiert und das st durch den Buchstaben b ersetzt: brunzen. Weltbekannt ist zum Beispiel in München zur Zeit eines jeden Oktoberfestes die Brunzwiesn. Damit ist der grüne Wall hinter den Bierzelten gemeint, da wo Zeltbesucher hinpinkeln, sich übergeben oder ihren Rausch ausschlafen, weil der Boden noch so schön warm und weich ist …
Und in München spielte dann auch der oben erwähnte Fußballtreter Thomas Strunz. Der Thomas Strunz kommt übrigens gebürtig aus Duisburg …
Womit die Spur eindeutigerweise wieder raus aus Bayern gleich in den Norden führt …
Rumstrunzen ein Wort so schön wie Verkasematuckeln (… offenbar auch französischen Ursprungs …) …
Ich bin abgeschwofen.
Wo war ich?
Ach ja.
… und wenn du hier mit deiner Bildung rumstrunzen willst, …
Der „Pleonasmus“ oder die „Tautologie“ oder das „Doppel-Gemoppel“.
Schön, dass es für diese Begrifflichkeit Worte durch alle grammatikalischen Geschlechter gibt.
Gleichberechtigung par excellence.
Jeder Gleichstellungsbeautragte wurde vor Wonne und Freude in Tränen zerfließen.
Wobei mir das Wort Doppel-Gemoppel eindeutig am besten gefällt, auch wenn es mein Lehrer damals in der Schule mit einem ironischen Rüffel in meine Richtung geantwortet hatte. Es war der Deutschunterricht und auf dem Lehrplan standen rhetorische Stilmittel. Pleonasmus und Tautologie gehörten dazu. Wir analysierten Reden von Hitler, Göbbels und anderen Politikern, die man tunlichst mit den beiden erstgenannten nicht in einem Atemzug nennen sollte. Und irgendwann hingen mir dann die Politiker mit ihren Reden ziemlich zu den Ohren raus. Denn was anfangs wie fein durchdacht erschien, zerplatzte wie eine Sprachenwämmserei erster Güte.
Klar, geholfen hat es nicht, wenn ich bei einer Rede von Helmut, dem Ersten, und Helmut, dem Zweiten, und anderen Waldheinis und Pissbudenluis sofort Tautologie oder Akkumulation oder Inversion oder Anakoluth oder Polyptopton oder wie sie alle heißen denken musste.
Oder sei es, dass ich bei der Kirmes beim Wort Autoselbstfahrer ins Schleudern geriet oder schon beim Wort Düsenjet anfing besserwisserisch zu grinsen.
Und doch.
Da gibt es ein rhetorisches Mittel, das trägt den geheimnisvollen Namen Oxymoron. Mit diesem Wortungetüm verbinde ich eine Hassliebe.
Eben das, was das Wort beschreibt. Die Verbindung zweier vermeintlicher Gegensätze. Wie bei einer Hassliebe halt. Oder wie bei Eile mit Weile.
Oder wie in dem oben bereits zitierten Versen aus einem bekannten Spottgedicht. Das interessante an diesem Gedicht finde ich, dass es nicht möglich ist, eine Quelle dafür anzugeben.
Wikisource zuckt beim Nachforschen hilflos mit den Schultern:
Dieses Gedicht gibt es in vielen Varianten und es wird spekuliert, ob Goethe, Lewis Carroll oder Christian Morgenstern der Urheber ist, dies aber ohne jede Belege. Wahrscheinlich stammt es aus dem sächsischen Volksmund aus der Zeit um 1850. Dieses Spottgedicht ist ein exzellentes Sprachspiel das von seinen Oxymora und Paradoxien lebt.
Schön, da freu ich mich, dass ich dann hier fleißig und ausführlich zitieren darf, ohne dass ich in eine Abmahnwelle (s.a. Plumpaquatsch ) gerate und spontanes Surfen lernen muss.
Nun sei’s drum. Hier das Gedicht …
Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.Neben ihm ’ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.
Schönen Tag noch. :)
P.S.:
Ich schrieb von Trapattoni.
Trapattoni?
Okay, ein kleiner Exkurs (Ausflug) in geschichtliche Erinnerungen vom 10. März 1998. Man sollte den Herrn Trapattoni nicht so schnell vergessen. Auch wenn er inzwischen mit irgend so einem Lodda Maddeus in Salzburg den dortigen Verein trainiert.
Deswegen hier mein Tribut an dem, der es verdient (den Trapattoni, nicht den Lodda):
http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data2.blog.de/media/269/962269_a53dbcb8c3_a.mp3
Viele Jahre glaubte ich, alle Verse des Gedichtes zu kennen.
Nun wurde ich eines Besseren belehrt!
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Siehste mal, ich kannte es als
Schröter – Deutsch Leistungskurs…
;)
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Paul Celan – Todesfuge …
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Servus
Oxymoron… Das ist tausend Jahre her, dass ich das Wort zuletzt gehört habe. Aber mir fiel SOFORT das Schulbeispiel ein: „schwarze Milch der Frühe“
Auch von mir Danke für das Gedicht. Ich kannte nur die erste Strophe.
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Aufklärung? Öh, eigentlich nur eher einfach so …
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Danke für die Aufklärung.
Danke für das Gedicht in Reinform
Danke für das Erinnerungsstück aus DER Fußballpressekonferenz schlechthin.
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