Robert Peter Williams, alles fit im Schritt?!?

Zuerst einmal ein paar Worte für alle, die jenseits von Eden wohnen:
In München ist man mal wieder seiner Zeit voll voraus. Da hat noch nicht mal der kalendarische Winter 2006 begonnen, da wird dann schon gleich der Frühling 2007 gefeiert.
Mit Volksmusik.
Mit was denn sonst?


Dreimal war Mr. Entertain-you in München und lud zu seiner Party
ein. Für alle, die es darauf anlegten, konnte somit dreimal die Robbie-Williams-Show besucht werden.
Mein Ticket hatte ich mir im Dezember letzten Jahres im Vorverkauf einkaufen lassen.
Also, was wollte ich schon am 1. August am Olympiastadion? Nur mal so gucken? Einfach mal schauen, wieviel Leute da so vor den Toren herum lagerten?
Quatsch! Ich wollte wissen, wo man wie am schnellsten aufs heilige Grün des Olympiastadions kommt. Am besten irgendwo am Elfmeterpunkt. Direkt vor dem gigantischen Fussballtor genau in der damaligen Bayern-Nordkurve.

Direkt vor Ort. Aber dafür benötigt man … eben ein Ticket … und die gab es draussen vor der Tür des Olympiastadions. Es mag sein, dass die Tickets für Robbie-Konzerte in Guiness-Rekordzeit vergriffen waren, aber das lag wohl daran, dass die selbsternannten Zwischenhändler sich eine ordentliche Gewinnmarge aus dem Marktgesetz von „Angebot und Nachfrage“ erhofften. Hoffen darf ja jeder im freien Markt. Nur die normative Kraft des faktische Preisverfalls war enorm. Mir wurde ein 120 € Sitzplatzticket erst für 35 € dann für 25 € (!!!) angeboten. Am Ende hatte ich gegen 17 Uhr eines der begehrteren Innenraumtickets im Werte von 73 € für 45 € gekauft. Nebenbei, am dritten Tag ergatterte ich noch vor dem offiziellen Einlass ein 30-€-Ticket für den Innenraum.

Unterbrochen vom Gedudel der Videoleinwände mit ihren Werbebotschaften füllten noch die beiden Vorgruppen ORSON (sie flogen am 29. Juli von Berlin nach Frankfurt nach Honkong nach Tokyo zum Fuji-Rock und wieder zurück nach München, um wie zuvor auch im Vorprogramm von RW zu spielen …) und Basement Jaxx die Zeit. Insbesondere die Werbebotschaften der T-Com konnten einem schon die Nerven auf eine Bewährungsprobe ziehen. Denn sie nutzten für zwei Spots sowohl „Tripping“ als auch „A place to crash“ als Hintergrundmusik. Und dann forderte eine Stimme noch auf an die Nummer 82400 das Stichwort ANGELS zu schicken, und dann würde man für läppische 6 € einen Klingelton und ein Video auf sein Handy und PC geschickt bekommen, während bierträgende Verkäufer dem wartenden Zuschauern für 3,80 € (+ 2 € Pfand für den 0,5 ltr. RW-Plastikbecher …) oktoberfestmässig eingeschenktes bayrisches Bier anboten. Selbstverfreilich war auch die unvermeindliche Pitu-Caipi-, Red-Bull-Vodka- und Coca-Cola-Verkäuferfraktion mit missionarischem Eifer den Geldbörsen der Fans hinterher.

Aber dann punkt 21 Uhr erschien er unter Rauchfontänen mit dem Stück „Radio“ aus der Plattform heraus mitten im Publikum und über den Köpfen der vor Freude tobenden Fans …
Das personifizierte englische VARTA-Häschen, Robbie Williams …

Nein, es waren nicht nur Frauen anwesend. Es gab auch Männer. Hierzu sollten die Frauen wissen, auch Männer können Robbie cool finden, ohne gleich sexuelle Hintergedanken zu haben.

Das Plakat „Robbie, make me pregnant!“ wurde von Männerseite mit einem eindeutigen Plakat „Robbie, what about Gay marriage?“ gekontert. Und Robbie gefiel es offensichtlich. Nur mit dem „Robbie, pluster me up!“ konnte er nichts anfangen („What the fuck means ‚pluster me up‘? “ )

Gut, am zweiten Tag wurden die Offerten auf den Plakaten eindeutiger („Brasil girls taste better! 24 h test offer. I’m 39 and you can “ ). Am dritten Tag hielten sich die Plakate deutlich in den Hintergrund. Der Dauerregen hatte da wohl einiges vernichtet.

Was Frauen angeht, da ist Robbie jetzt wohl recht eisern, da er offenbar mit seiner Freundin und deren Kleinkind im Nobelhotel „Bayrischer Hof“ abstieg.
Da waren Frau Schicki und Herr Micki aus der Münchener In-Szene schon ein wenig depürt, dass Robbie nach seiner ersten Show seine Hoteletage der von Nobeldisco „P1“ veranstalteten „After Show Party“ vorzog.
Macht man das denn?
So musste die Münchener Prominenz mal wieder – wie so häufig in Münchens Szene – inzestuös sich selber feiern.
Robbie, scheint dort anzukommen, wo generell 30 Jährige ankommen. In einer gewissen Art Häuslichkeit mit Freundin und Kind.

Und überhaupt rutschte seine Hose auch nicht mehr auf Kniehöhe. Dafür redete er aber am zweiten Tag mit seinem Klein-Robbie, was mit Frauenkreischen quittiert wurde.

Und über den deutschen Fußball fachsimpelt. Allerdings hatte er sich ausschließlich am ersten Tag auf das letzte internationale Fußballspiel im Münchener Olympiastadion bezogen: Deutschland gegen England mit dem deutichen Endergebnis 1:5 für England. Deutschland habe während der WM großartig gespielt und das Publikum sei grandios gewesen und daher wird Deutschland bei der nächsten WM in Südafrika ins Endspiel kommen. Aber leider gegen England nachher verlieren, so Robbie lakonisch und maliziös grinsend. „Tripping“ widmete er da noch Jürgen Klinsmann.

An allen drei Abenden hat er mit seinem Freund John nach der Swing-Nummer einen seiner zwei Bälle ins Publikum geschossen (hey, haben die Leute sich um die Bälle gebalgt …).


Von der Musik her waren alle drei Shows fast identisch. Nur am zweiten Abend (120 min) wurde ein Lied („Kids “ ) mehr gespielt, dafür war Robbie am ersten Abend (120 min) gesprächiger und am dritten Abend (105 min) wohl nachher auch nur drum bemüht, im 14 °C warmen Dauerregen seine Band nicht zu verschleissen und selber nicht sich zu erkälten.

Überhaupt das Wetter:
Da gibt es acht Wochen fast nur Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen, jedoch als Robbie in München eintraf, war es vorbei:
Der erste Abend war fast regenfrei. Als dann aber die letzte halbe Stunde der Show mit „Let me entertain you“ eingeläutet wurde, öffnete sich der Himmel. Das tat der Stimmu
ng aber keinen Abbruch, sondern ganz im Gegentum schien der Regen das Publikum noch eher zusätzlich anzuheizen!
Während ich am zweiten Tag ab 9:00 vor dem Südeingang lagerte und nur hin und wieder paar Tröpfchen Regen runterkamen, blieb es nacher vollkommen trocken.
12 Stunden Warten für eine zweistündige Show …

… von 9:00 bis 16:00 vor dem Eingang, danach ein Hindernislauf an den Ordnern vorbei (wahrscheinlich unter den Augen des DLV-Präsidenten Clemens Prokop; wer die 300 Meter in Rekordzeit runtergejoggt hatte erhielt wahrscheinlich ne DLV-Einladung … obwohl, für Robbie sich nen guten Stehplatz zu ersprinten, fällt das nicht unter Doping? …), um in den gesonderten Bereich zu gelangen. Dann wieder 5 Stunden Warten im Sonderbereich, der nur für 65 Zuschauer freigegeben wurde.

Das ist dann immer genügend Zeit, um sich die Sicherheitsleute ausgiebig anzuschauen. Einheitlich schwarz gekleidet. Wahrscheinlich war deren Einstellungsvorraussetzung richtig mies und finster dreinschauen zu können. Da war das Gesicht von dem Security-Knispel mit dem blond gefärbten Schnurrbart, dem beidseitig zum „Z“-rasierten Kotletten und der eigenwilligen Brille. Wahrscheinlich hat der sich sein Styling aus X-Men abgekupfert. Lachen war für den als Rudelführer garantiert tabu …

Die Leute der ersten Reihen an der Absperrung erhielten dann auch zur Belohnung kostenlos Wasser …

… aus einem nicht unbedingt als sauber zu bezeichnenden Wassereimer. Die security tränkte die Fans wie Pferde. Nur mit dem Unterschied, wir erhielten das Wasser in kleinen Plastikbecherchen überreicht. So sah es wenigstens hygenischer aus, als die Eimer es wirklich waren.

Ach ja, nur die Mehrheit der Security war übrigens arogant. Ein solcher „Ich-bin-das-Universum“-Typ bewegte sich auch keinen Zentimeter, als er von Fans gebeten wurde ein wenig beiseite zu gehen, um bessere Fotos von Robbie machen zu können. Halt ein Menschenfeind, wie er im Handbuch für vorbildliche Security-Knispels gefordert wird …

Die Minderheit war allerdings trotz des martialischen Auftretens sympatisch und nett.
Tja, aber dann endlich die zwei Stunden Show … .

Nur der dritte Tag war der eindeutig der härteste aller Tage.
Dauerregen.
Die Wolken schwebten in hundert Metern Höhe vorbei und hinterliessen Feuchtigkeit in jeder Kleidungsritze und in den Schuhen. Kalte Feuchtigkeit. Da nützten die kostenlos an der U-Bahn verteilten Regen-Capes des T-Com-Konkurrenten O2 und die mitgebrachten Regenschirme. Wer weder einen Regenschirm noch ein O2-Cape ergattert hatte, konnte sich auch bei den fliegenden Verkäufern bedienen. Regen-Cape zu 5 €, eben jene Plastik-Hüllen, die man im Laden im schlimmsten Fall für maximal 1 € kaufen kann. Aber was hilft so ein Regen-Cape, wenn das Bier verwässert schmeckt und der Caipi garantiert viel Wasser enthält. Mein Ruf nach Glühwein rief nur Belustigung bei Umstehenden hervor. Na gut, in der Not frißt der Teufel Fliegen und ich trink dann auch mal verwässertes Bier (schliesslich wollt ich mir noch so’n RW- Becher mit nach Hause nehmen ….). 

Hauptsache der Veranstalter sagt das Konzert nicht wegen Regen ab. Klar, eine Absage geht nicht ohne grössere Probleme. Da heisst es für Publikum und Künstler, sich das beste daraus zu machen. Und Mr. Robert Peter Williams wäre nicht Robbie Williams würde er nicht auch daraus das beste machen.


„Alles fit im Schritt?“ Seine Deutschstunden zeigten Wirkung. Auch das entscheidende Wort kriegte er fast korrekt hin: „Schaise“.
Mit Blick auf den Südblock und seine Treppe aus dem Innenraum heraus, pflegte er den Smalltalk mit den Leuten auf der Treppe: „Where the fuck are you going? I know where you are going. Shaisen!“
Belohnt wurde seine Treppenkonversation mit einem von einem Besucher auf der Treppe blankgezogenen Hintern übertragen auf der Videoleinwand.
„Hey, Mr. Greenshirt, why are you leaving? Where are you going?“ So war seine Frage am zweiten Tag. Und der Angesprochende im grünen T-Shirt antwortete mit eindeutig rubbelnden Handbewegungen. „Hey, Mr. Greenshirt,  do you know that are children here? Dickhead!“ war der verärgerte Kommentar von Robbie dazu.

Am dritten Tag war das Riesenrad vor dem Olympiastadion fertig gebaut und wurde prompt Ziel seines Spotts. „Hey, there are people inside trying to look at my show. Hey, you idiots, don’t pay the wheel, come directly to my show!“

Der Ruf in Richtung Riesenrad zeigte am dritten verregneten Abend („That was my wetest show I’d ever had! “ ) das Maleur. Zwar waren die Sitzplatzränge wie üblich gut belegt, jedoch war der Innenraum nicht so gut gefüllt, wie die beiden Abenden zuvor. Diesmal war die Zahl der 70.000 Zuschauer deutlich verfehlt worden. An den Kassen des Olympiastadions  lagen noch dicke Blöcke mit Innenraumkarten.

Und an allen drei Abenden stellte er sein neues Stück RUDEBOX vor, welches das englische Boulevard-Blatt SUN als die schlechteste Single aller Zeiten betitelte. Dieses Stück kam nach dem Re-Opener „Let me entertain you“, welches eben nach jener einer kurzen Pause grandios die letzte halbe Stunde einläutete.
RUDEBOX funktionierte live ungefähr eine Minute, danach sackte die Begeisterung des Publikums doch ein wenig arg zusammen. RUDEBOX ist ein reines Club-Stück. In Clubs kann es erheblich funktionieren. Aber live? Nach jeder Performance erschien Robbie Williams sichtlich zufrieden über die Reaktionen vom Publikum.
Interessanterweise fiel mir dann auf, dass er in dem Lied sowohl für DUREX am Rande als auch für ADIDAS explizit Werbung  macht. Egal.


Und?
Hat es sich gelohnt?
Dreimal Robbie binnen drei Tagen?
Drei Tage das gleiche Vorprogramm, die gleiche nervige T-Com-Werbung, die gleichen Lieder, die gleiche Performance, auch wenn die Sprüche der Abenden unterschiedlich waren?
Und das alles für ein spezielles Armband (für den Bereich zwis
chen Bühne und Plattform;
Auflage: 100 Stück), nen Plastik-Becher, zwei Hard-Tickets und ein Online-Ticket?

Es hat sich gelohnt. Jeder einzelne Tag. Sogar der letzte, verregnete Tag mit den völlig durchweichten Schuhen.

Zudem hatte ich allerdings den Eindruck, dass die kometenhafte Karriere von Robbie Williams schon seinen ersten Zenit überschritten hat. Die jetzigen Konzerte sind für Leute, die 2003 wie ich nicht dabei waren, ein eindeutiges Highlight.
Die erste Show am 1. August war die beste und seltsamerweise die verregnete Show am 3. noch besser als die am 2. . Trotz des Regens kam auch nie das Gefühl auf, da würde eine Show schnell durchgezogen werden, um wieder schnell ins Hotel zu kommen. Irgendwie war allen klar, entweder feiern oder frieren. Das beste draus machen oder gleich nach Hause. So wurde die verregnete Show trotz Regens richtig mitreißend.

Okay, selbst die Knebworth-DVD ist besser als diese Shows in München. Aber sie hat jedoch den entscheidenen Nachteil, man sieht Knebworth nur auf dem Fernseher. Aber live ist live und prägt mehr als nur ne DVD, die man in ein Gerät rein- und rausschiebt.

Es wird dauern, bis Robbin Williams wieder durch Europa rumtourt. Aber dann wird es wieder kurzweilig werden. Und sollten die selbsternannten Zwischenhändler wieder die Tickets so schnell aufkaufen wie für diesen Konzertvorverkauf im November/Dezember 2005, dann darf man sich als Verbraucher erneut auf radikal zusammenbrechende Schwarzmarktpreise freuen.

Und auf einen gut aufgelegten, sich ums Publikum bemühende Robbie Williams.

Auf Mister „Let me entertain you!“


Viel Spass allen Leuten, die am 8. und 9. August auf den Jahnwiesen in Köln das Spektakel miterleben werden.
Übrigens, am 8. August ab 20:00 überträgt der Radiosender Einslive das Robbie-Konzert. Der Live-Stream dazu findet sich auch auf deren Internet-Seite unter http://www.einslive.de.

4 Gedanken zu „Robert Peter Williams, alles fit im Schritt?!?

  1. Ich bin gespannt auf deinen Bericht und deine Sicht der Dinge.
    Im Grunde gibt es noch einiges mehr zu berichten (s.a. meine Kommentare hier) und mir fallen immer wieder weitere Dinge ein, was da noch geschah. Wie z.B. dass die Flammenwerfer bei „Let me entertain you“ bei dem nasskalten Wetter am dritten Tag richtig wohltuend waren, auch wenn ich an jenem Tag zwanzig Meter von den Flammenwerfer entfernt stand.
    Oder die Geschichte von den zwei Mädels, die sich vor dem Einlasstor nach vorne mogeln wollten und die dann von einigen der Wartenden unter Applaus der anderen Wartenden mit körperlicher Gewalt hinter den Sperrbändern befördert wurden.
    Oder über die Frau, die einen BH im Fußball-Design offenlegte, als RW seinen Ball schiessen wollte …
    Oder über die „Beauty-Shots“ mit denen sich RW unterhielt (wobei jenes Mädel am zweiten Tag IMHO eindeutig die Hässlichste und Arroganteste war … Mensch, Robbie, in Deutschland Frauen nach deren Alter zu fragen, ja macht mann denn sowas? Kein Wunder, dass das Mädel zickte und ihr Alter nicht preisgab, aber dafür ihre Oberlippe hochzog, damit man ihr Schneidezahnsteinchen ausgiebig bewundern konnte. Hey, Robbie, und ich bin mir sicher, die hat gelogen, als du sie fragtest, ob sie die magische Sache mit den drei Buchstaben mögen würde … ob jener Patrick mit über 10 Jahre ohne Sex glücklich über jene „ich sag nicht, wie alt ich bin“-Frau wäre? …)
    Ich bin mal gespannt über deine Beobachtungen und Impressionen.

    Like

  2. „Basement Jaxx“ (BJ) und Robbie Williams konnte man nur bei einem RW-Lied vergleichen: Beim Lied „Rudebox“. Also, da kann RW noch bei „Basement Jaxx“ in die Schule gehen und viel lernen, was gut gemachte Club-Music betrifft.
    Ansonsten würde ein Vergleich zwischen BJ und RW ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen sein. Jeder hat einen eigenen Stil. RW hat den in Richtung „Pop“ und BJ eindeutig im House-Bereich.
    Mein Eindruck von den Vorgruppen war nur bei ORSON konstant. Danke, das ORSON nur ne halbe Stunde Spielzeit zugestanden wurde. JetLag hin oder her wegen den Tokyo-Abstecher, der Frontman mit Pepita-Hütchen, der Schlacks am Bass und der Mann mit Irokesenschnitt, der leidenschaftlich und gekonnt seine Drums bearbeitete, die hauten mich nicht so aus den Galoschen. Vielleicht spielten sie auch so schlecht, eben weil sie sich mit diesem Tokyo-Abstecher übernommen hatten. Das gilt jetzt nicht für den Drummer. Ich glaube, wer dem eine Schiessbude vor der Nase setzt, dann gerät der gleich auf nen Trip, wo man nur noch eine Beschreibung für hat: Überzeugungstäter! Und das garantiert kein Mittelmässiger!

    BJ war eindeutig die bessere von beiden Vorgruppen, weil mitreissend. Beim ersten Auftritt war ich allerdings nicht gerade von denen angetan. Ich erwartete Pop, sah vorne sowas wie die „Weather Girls“ rumhüpfen und bekam House geboten. Als dann auch noch der angebliche „Keyboarder“ (bitte nicht schlagen, ich weiss jetzt wer es war!) mit dem Paradiesvogel „Where’s Your Head At?“ zelebrierte, war ich eigentlich total verwirrt. Zudem brabelten die BJs immer wieder „we are Basement Jaxx, we are Basement Jaxx“, so dass ich erstmal froh war, dass die nach einer Stunde Spieldauer wieder weg waren.
    Gut, beim zweiten Mal (ich stand jetzt direkt an der Bühne, in jenem gesonderten Bereich für 65 Personen) merkte ich dann, dass deren Musik überhaupt nichts mit RW-Pop zu tun hatte, sondern einem eigenen Stil folgten. Und vor allem, es waren keine Wichtigtuer, sonder es waren Könner ihres Faches. Und dann waren es nicht drei „Big fat Mamas“ die einfach nur über die Bühne rollten, sondern es waren drei Frauen mit viel Power, ein Rapper mit Feeling, drei Bläser (in brasilianischen Hosen!) mit voller Power und die beiden Macher von BJ, die einfach das rüberbrachten, was sie meinten. Insbesondere den Frauen muss ich verdammt gutes Arrangement und Timing bescheinigen. Energiebündel, welche die Bühne voll ausnutzten und den Blickkontakt mit dem bühnennahen Publikum spielend nutzten, denen auch ein Spass bei „Where’s Your Head At?“ auf Kosten der schwarzen bierernsten Security-Knispeln nicht zu Schade war. Innerhalb der knappen Stunde legten alle eine beachtliche Wegstrecke zurück. Statisch waren die überhaupt nicht auf der Bühne (wie ORSON), sondern absolut dynamisch.
    Am dritten Tag – es regnete wie blöde – hatte ich dann schon die Befürchtung, dass die Frauen wegen Aqua-Planing von der Bühne kegeln könnten. Klar, die waren dort erheblich vorsichtiger und deren Show war natürlich ein wenig gebremster. Aber überhaupt nicht statisch. Sie nutzen die physikalischen Grenzen von regennassen Bühnenelementen voll aus und bei „Where’s Your Head At?“ wurden dann halt die Security-Knispel mit dem Wasser aus den Bühnenpfützen bespritzt (und ich hab mir wieder sadistischerweis einen gegrinst).
    BJ war definitiv eine sehr gute Vorgruppe, auch wenn sie so nicht in den Rahmen von RW-Pop passte. Oder anders gesagt, eine Show von denen zu besuchen (im September bringen die eine neue CD raus) wird sich sicherlich lohnen. Aber bitte nur kein POP erwarten.

    Like

  3. Das war ja mal ausführlich. Kein Wunder beim absolvierten Robbie-Marathon. Ich war am zweiten Abend anwesend und hatte das Glück, obwohl gerade mal eine halbe Stunde vor Einlass am Satdion angekommen, noch in die sog. „zweite Welle“ zu gelangen. Armbändchen an, hinaus auf die Bierbank oder die Wiese, Frozen Magaritha geschlürft und zur zweiten Vorband wieder ins Stadion zu unseren Plätzen zu laufen.

    „Basement Jaxx“ waren wirklich witzig. Zum Konzert gibt es nach Deinem ausführlichen Bericht nichts mehr hinzuzufügen. Der technische Aufwand wird immer größer und spektakulärer. Wie sollte sich aber Robbie noch steigern? Er ist bereits das Maß der Dinge.

    Für mich war es das insgesamt vierte Robbie-Konzert in sechs Jahren und ich erkannte bei mir deutliche Ermüdungserscheinungen. Man ist halt bestens mit den Abläufen vertraut, meine Freundin ist schier ausgeflippt. Schade das er „Angels“ ausgerechnet nach dem unerträglichen „Rudebox“ spielte. Sollte das neue Album ähnlich klingen dürfte es ziemlich abwärts gehen.

    Ein entsprechender Bericht wird folgen…

    Like

  4. Ach ich liebe deine Berichte.

    Basement Jaxx war der Hammer. Ich war beim Training in der Olympia-Schwimmhalle und als ich rauskam, waren diese gerade am Toben. War das spitzenmäßig. Geniale Musik, Sonnenschein, aufgepumpte Muskeln (meine) und gute Laune pur. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Robbilein das topen kann. War mir aber auch egal. Nach Basement Jaxx VORM Stadion hab ich mich aufs Radl geschwungen und bin heim.
    Geniale Vorgruppe!!!!!!

    Like

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.