Japan Memories: Germany, zero points. Deutschland, null Punkte

Unter Ausschluss einer potentiell interessierten Öffentlichkeit wurde in der letzten Woche in der Nähe von Tokyo der „Worldwide Song Contest“ durchgeführt.
Das ist sozusagen der noch nicht publizierte Nachfolger des „Eurovision Song Contest“ der „European Broadcasting Union“, der annodunnemals noch unter den charmanten Begriff „Grand Prix d‘ Eurovision de la Chanson“ firmierte. Man nannte sie damals auch noch die „Siegel“-Spiele (… dabei-Sein ist alles, lieber Ralph …).
Wer erinnert sich? „Germany: Zero points – Deutschland: Null Punkte“
Und jetzt in Tokyo.
Die inoffiziellen Vorausscheidungen.
Beteiligt waren ein Deutscher, ein Engländer und drei Japaner.

Nein, jetzt kommt kein abgedroschender Witz, auch wenn das folgende genauso abgedroschen komisch erscheinen müsste. Unterstützt wurden wir von einer Schrankwand voll mit japanischem Whiskey … :>
Ja, richtig. Die Schrankwand einer Karaoke-Bar. Und aus der haben uns die Japaner schnatternd (- ich versteh ja deren Sprache nicht -) permanent Whiskey in Gläsern eingeschenkt, Eiswürfel dazu und das ganze mit Mineralwasser gestreckt. Und wir fünfe handelten getreu dem Motto: „Wo man singt, da lass dich nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder.“
Was derjenige, der diesen dämlichen Spruch konstruierte, aber nicht wusste, waren die Gesangskünste eines Deutschen, eines Engländers und dreier Japaner. Wetten, der wäre leicht aggressiv, ja richtig böse geworden und hätte diesen Spruch nie formuliert :?: :!:
Der „eine Deutsche“ war natürlich ich und ich hab mein Land würdig repräsentiert: „Germany: Zero points – Deutschland: Null Punkte“
Mit „Jealous Guy“ war da für mich nichts grossartiges zu gewinnen, geschweige denn ein Blumentopf mit ins Hotel zu entführen (… John Lennon wird wohl auch aufs heftigste im Grabe rotiert haben, über soviel Song-Verstümmelung …). So versuchte ich es im Chor mit dem Engländer auf „My Way“ und prompt spuckte die Karaoke-Maschine Werte um die 90 Punkte aus. Tja, die Engländer.
In der Zwischenzeit versuchten die Japaner freundlich aber bestimmt und zugleich vergeblich, uns mit Whiskey-Soda abzufüllen (… die Schrankwand musste nicht nachgefüllt werden …). Als wir dann aufbrachen, drückte mir eine der Japaner mir einen durchsichtigen Plastikregenschirm (der Blumentopf :?: ) in die Hand. Dabei quatschte man mir ein Ohr ab. Verstanden hab ich freilich nichts, aber lächeln kann ich auch, ihr Japaner, und zwar erbarmungslos ;D :!:
Naja, draussen – es war Mitternacht – regnete es. Und wieder fühlte ich mich ein wenig wie „Deckart“ im Film „Blade Runner“ (… so wie ganz Tokyo mich immer wieder an den Film erinnerte …), als ich mit dem Ohrwurm „My Way“ ebenselbigen zum Hotel antrat.
Und die Moral von der Geschicht?
Nie wieder Karaoke-Bars.
Null Punkte mit Billigwhiskey kann ich mir bald auch wieder im Fernsehen anschauen …
Nebenbei, bezahlt haben übrigens die Japaner, die uns in diese Bar eingeladen hatten …
Man gönnt sich ja sonst nichts …