Morgendämmerung

Morgenansicht

Er schaut ihn an und spuckt verärgert aus.

„Du sollst meinen Namen nicht nennen.“

Danach ist das Kind tot. Erschossen.

An einer U-Bahn-Station hängt ein Plakat über Ennio Moricones 80. Geburtstag aus. Im Hintergrund seines Kopfportraits das Plakat seiner bekanntesten Filmmusik. ‚Spiel mir das Lied vom Tod.‘

Die Zeitungen verkünden zwei Schlägereien aus dem U-Bahn-Untergrund und dass die Polizei jetzt wegen versuchten Totschlags ermittelt. Die namenlosen Täter werden gesucht.

Von Selbstmorden unter Bankern ist bislang nichts zu lesen. Nur von Abfindungen. Die Monopoli-Spieler machen Kasse. Deren Namen sind vielfach unbekannt oder falls doch, schnell wieder vergessen.

Aber statt jene zwangsweise wegen ihrer Spielsucht zum Psychater zu schicken, zu einer ordentlichen Suchtbehandlung, pudert man denen noch Geld hinten drein. Den Scherbenhaufen dürfen andere wegräumen. Auf eigene Kosten anderer Namenloser.

Suchtausübung für Finanzhaie leicht gemacht. Jede Sucht wird nun mal anders beurteilt. Ein Kriegsherr ist nun mal kein Mörder und darf eben nicht wie ein kleiner Schwerstkrimineller beurteilt werden.

Irgendwer nutzt derzeit meinen Namen in Internet, um für mich Spuren zu hinterlassen.

Prickelnd.

Namen sind Schall und Rauch. Das haben sie mit Pistolenschüsse gemein. Schall und Rauch. Etwas, was in Erinnerung bleibt.

Ein Gedanke zu „Morgendämmerung

  1. Deinen Namen im Internet. Hmm… kennst Du dort jemanden? Dann könntest Du mal rumfragen.

    P.S. Namen haben zum Glück keine direkt letale Wirkung. Ich würde sie sonst nicht benutzen!!!

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.