Rudebox

Do the rudebox, Shake your rudebox

Ich war Kriegsgewinnler.
Eindeutig, ich war einer der Gewinner des zweiten Golfkriegs, als die Koalition der Alliierten 1991 in einem “ Desert Storm“ die Irakischen Militärs aus Kuwait trieben und sie in deren eigenen Land in die Enge trieben.

Um Kriegsgewinnler zu werden, brauchte ich nicht mit Helm und Gewehr blutiges Soldatenhandwerk erledigen.
Ganz im Gegentum.
Ich war im Grunde während des Wüstensturms sowohl paralysiert als auch sauer.
Paralysiert weil ich es nicht glauben konnte, was da vor sich ging.
Und sauer, weil die obersten Moralapostel dieses Landes hier meinten, wir könnten nicht einfach Karneval feiern, während woanders Menschen für Freiheit ihr Blut auf den Ölfeldern hinterliessen.
Als ob das letztere vorher nie zu den Karnevalszeiten passiert wäre.

Der Krieg war vorbei und ich las im März in der Süddeutschen Zeitung eine ganzseitige Anzeige der „British Airways“.

Viele hatten vor dem Fliegen Angst und rechneten ernsthaft, dass „Lockerbie“ sich jederzeit wegen des Krieges wiederholen könnte.
So lobte die BA also Tickets in der ganzen Welt für Flüge nach England aus. In Brasilien ebenso wie in Deutschland.

Vorbedingung?
Coupon ausschneiden, auf eine Postkarte kleben und einschicken.

Irgendwann im Mai übergab mir mein Vermieter einen Brief der BA. Ich geriet ins Grübeln, war ich doch in meinen Leben bis dato nur einmal geflogen.
Interkontinental.
Aber das war die IBERIA.
Ich öffnete also den Brief und … ich wurde zum Kriegsgewinnler für zwei Personen nach London.

Mit meinem Freund stiegen wir in den Flieger und freuten uns wie Schnitzel auf paar Tage London.
Abends in der Dunkelheit
erreichten wir „Piccadilly Circus“.
Keinen Plan von nichts, aber das volles Hörnchen. So liefen wir durch London City.
Ohne jegliche feste Übernachtung, aber mit Schlafsäcken und in der Überzeugung, dass sich uns schon ne Möglichkeit bieten würde.
Wir prosteten uns unter Nelson zu und schauten den Tauben beim Kacken zu. „Trafalgar Square“  grüssen.
Irgendwann des Nachts kamen wir dann an einer billigen chinesischen Imbissbude vorbei und bestellten uns dort jeder eine Styroporschale chinesisches Essen.
Wir schluckten unseren ersten Bissen und mein Freund bemerkte nur trocken:
“ Das schmeckt ja wie Hund hinten.“

„Rudebox“ eben.
Das wäre damals die passende Übersetzung dazu gewesen.
Wie Hund hinten.
Jetzt wissen wir es, Robbie sei Dank.

Aber was singt Robbie Williams sonst noch in diesem Lied?

Achtung, zuerst noch ’ne Warnung!

Parental Advisory

Jack those jills shake your Playtex rock 3 stripes not the asics
A. D. I. D. A. S old school cos it’s the best – yes
Tk max cost less yes

Kann man sowas überhaupt übersetzen?
Ja, es geht.
„jack and jills“ heisst übersetzt Extacy.
„Playtex“ bedeutet Kondom.
„asics“ eine Turnschuhmarke? Vielleicht.
Denn nachher singt er buchstabierend A.D.I.D.A.S.
Aber „asics“ steht auch für „Aplication Specific Integrated Circuits“, also für schnelle Schaltkreise, die interne Kurzschlüsse zur Schaltung nutzen.
Und A.D.I.D.A.S. ist mitnichten eine Schuhmarke sondern die Abkürzung für
„All Day Long I Dream About Sex“.
Und was heisst zum Teufel heisst „TK max“?
„Maximal Team Killer“. Das ist jemand der in online-Spielern in einem Team seine eigenen Leute umbringt. Entweder weil er das Spiel nicht beherrscht oder weil er egoistischerweise seine eigenen Erfahrungspunkte günstig auf Kosten anderer hochschrauben möchte.

Rudebox.
„A dogs arse. The ass of a canine.“
Hört sich nicht nur eben an „wie Hund hinten“.

Wie kann man aber das Lied überhaupt verstehen, wenn nichts so klingt wie er singt?
Und wenn man nicht dafür fünfzehn Jahre Stoke-on-Trent in Staffordshire hinter sich gebracht hat?

Woher ich glaube das Lied überhaupt verstehen zu können?

EInfach mal unter Urban Dictionary nachlesen.
Dort wird all das übersetzt, was wir bei unseren Oxford-English-Unterrichtsstunden nie beigebracht bekommen.

Viel Spass beim Übersetzen der Liedzeile:
„Ok bum rush the show I got high speed dubbing on my stereo.“

Rudebox eben.

Grab this double fantasy where we just never stop,
I’ve got one desire and that’s to funk you to the top.
Know what’s on my mind
There’s only one thing you will find,
I got one desire and that’s to bump you ‚till you drop

 

Ein Gedanke zu „Rudebox

  1. Bei A.D.I.D.A.S. geb ich Dir vollkommen Recht: Bereits Korn veröffentlichten mit dieser Abkürzung eine Single in den Neunzigern weitab einer 3-Streifen-Schuhmarke mit eben den Worten „All Day I Dream About Sex“! Und auch sonst fällt einem bei näherer Betrachtung noch so manch verstecktes Wortspiel ins Auge. Und Danke für den Linktipp. Den kannte ich bisher nicht. Und es ist einfach der Hammer, mit welch Intensität Du das hier auf die Beine stellst.

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