The 80’s

Die Dinge waren besser, als sie begannen.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Festgehalten wie eine Taube vor dem Abflug.
Fest im Griff der Erziehung.
“ Werde ein Mensch“, sagten die Lehrer.
“ Wenn du einmal gross bist,…“, sagten meine Eltern.
Ich liess mich indoktrinieren, bequatschen, überzeugen, hin- und herschieben, angleichen und beugen.
Ich war ein guter Untertan.
Gute Miene zu manch bösem Spiel.
Der fliegbegierige Vogel, der die Theorie des Fliegens beigebracht bekommen hat, darf seine Kenntnisse in der Praxis ausprobieren.
Zögernd die Flügel gehoben zum Fliegen in die mehr oder weniger ungewisse Zukunft.

All die Jahre habe ich meine Rolle gespielt.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Sah den fliegenden Raketenmann um drei Uhr früh. Fernsehen. Eröffnung der ersten Olympischen Spiele in den USA. Verwundert die Augen gerieben.
Live Aid.
Madonna als Hupfdohle am Bühnenrand. Das Material-Girl wurd gerade geboren.
Der Weg aus dem „zu Hause“. Die ersten Tage auf eigenen Füssen.
Unabhängig.
Träumte meine Träume.
Wie Ikarus der Sonne entgegen in der Hoffnung schlauer zu sein.
Je ne regrette rien.
Die ersten Open Airs.
Die Nachrüstungsdebatten und Kriminalisierung der eigenen Meinung.
Die ersten durchzechten Nächte mit fast weniger als nichts in der Tasche. Aber voll ausgelebt.

 Me so horny me so young and I still got my washing done.

Madonna im Kino verzweifelt gesucht und an die Wand gespielt von einer Nebenrolle.
Die ersten Begegnungen.
Die erste grosse Liebe.
Das konsequente Sparen, um SIE zu besuchen.
In der neuen Welt angekommen und wie Alice im Wunderland eine neue Leidenschaft entdeckt.
Das Herz gebrochen bekommen.

Die Dinge waren besser, als sie begannen.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Ausgeblutet weitere Beziehungen gesucht.
Körbe dutzendweise. Zum Korbflechter umgesattelt und auch Körbe versucht zu verteilen, aber auf meine Körbe sitzen geblieben. War noch nicht mal Hahn in meiner Korbsammlung.
“ Deep throat“ nicht verstanden.
Neuneinhalb Wochen Edelstahlerotik der Börsenbroker.
Aber You can leave your hat on.
Beatrice Dalle in „Betty Blue“. 37 Grad am Morgen. Gefiebert den Film verfolgt.
Famme fatal.
Casablanca bis zum Abwinken.

Take my breath away.

Im sommerlich-warmen Regen zur Arbeit gegangen. Später in den Nachrichten erfahren, dass im Regen der radioaktive Fall-out Tchernobyls war.
Geschockt durch das Menetekel einer explodierenden Raumfähre. Erst wieder später erfahren, dass die Astronauten in ihrer Kapsel durch deren Aufprall auf den Weiten des Ozeans starben.
Im Suff die Hand mit einem Bierglas aufgeschlagen. Wollte die Zentrifugalkräfte meinen Umstehenden beweisen. Erntete tierisches Gelächter und ein Heftpflaster von der Oly-Thekenbedienung. Werde später von den Putzleuten vom Klo aufgeweckt.
Dann die Zukunft festgelegt und den Süden Deutschlands mit dem wilden Westen des Dreiländerecks getauscht.

 And I dreamt my dreams to see a prance.

Die ersten Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sicherheitsrisiko in Printenhausen. Geschrieben, was die feder hergab. Als Gruppe „Sicherheitsrisiko“ mehrfach 99 Zuschauern öffentlich zu Tode amüsiert. Die Zuschauer antwortete mit Begeisterung.
Drei Programme, drei Treffer.
Überregionale Auftritte.
Dann den Mauerfall im Autoradio miterlebt.
Auf dem Weg zu einer Aufführung Stücke umgeschrieben, neugeschrieben. Kampf gegen die fortschreitende Geschichte und gegen die Politik die jede Satire zur Realsatire ummünzte.
Flucht im Streit. Gebrochener Fuss.
Abspaltung.
Spaltung.
Auflösung.
Ende gut?
Gar nicht gut.

I cried, she cried, we cried, you’ve died.

Dann überraschend zu einer Clique von Gleichgesinnten meiner ersteren Leidenschaft gefunden.
Sprache gelernt, Freunde gefunden.
Seh einen davon immer wieder. Und werde ihn wohl wieder sehen.
Fand auch sie durch ein Internet-Netzwerk wieder.
Andere verlor ich.
Auf nimmer wiedersehen.
Wie gewonnen, so zerronnen.


Wo kommen die Mädchen her?
Wo kommen die Mädchen her?
Das sind die 80er.
Wo schaust du hin, du Mongo?
So jung.
So lang.
So jung, so lang
Zu kurz, so lang.
Wo schaust du hin, du Mongo?
Zu kurz, so lang.
Zu kurz, so lang.
So lang.

9 Gedanken zu „The 80’s

  1. Bis Freitag, nah dann lass Dich mal so richtig von der Muse Küssen. Gutes Gelingen.;) -I ch ziehe mich jetzt in meine hinteren Gemächer zurück.Gute Nacht

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  2. Danke, es beginnt aber kein neuer Abschnitt bei mir.
    Ich versuch nur bis Freitag 17 Posts zu 17 Liedern zu schreiben. ;)
    Impressionen zu Liedern. :)

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  3. Als ich meine Lebensübersicht geschrieben hatte, da kam mir aufeinmal alles so leicht vor, so verarbeitet. Ich konnte dann dadurch einen neuen Abschnitt im Leben, leichter, besser beginnen.
    Ja hast Du verdient, diese Anerkennung.;)

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