Fundstücke (Flashback)

Hotel União – Rio de Janeiro

Auf der Suche nach dem ultimativen Budget-Hotel muss man auch bereit sein ungewöhnliche Wege zu gehen.

Warum immer gleich im Zentrum?
Es ist bekannt, dass man dort mit erhöhtem Touristenaufkommen rechnen muss.
Wo viele Touristen, da wenig Einheimische.
Diese Rechnung geht immer auf und enttäuscht manche Manager immer wieder bei deren Suche nach dem ultimativen Survival-Erlebnis-Anti-Stress-Trip.

Also raus aus dem Altbekannten ausgetrampelten Pfaden Rios, raus in den Schutz der Policia Militar der unmittelbaren Nachbarschaft, hin zu dem Flair von Militär in mittelbarer Umgebung, ab zur „Avenida Brasil“.

Wenn nicht beim nächsten Urlaub, wann denn dann sonst?

Hotel União – das ultimative Off-Roader-Hotel für Aussteiger der Aufstiegsgesellschaft, die erstmal ein paar Meter abseits der Avenida Brasil dem Duft der Millionenstadt hinterher schnuppern wollen.

Hotel União - Rio de Janeiro

Das gnadenlose Programm für den gestressten Manager, der eine Woche mal was anderes will, als organisierten Luxus, aber trotzdem auf gute Verkehrsanbindung nicht verzichten wollen.

Auf der Avenida Brasil ist man sowohl recht schnell am Sambadromo als auch bei den vielen Drill-Master-Übungsplätze der Brülloffiziere der Militärs.

Das Hören des Lärms der Strasse garantiert dem Bewohner, dass erstens sein Gehörsinn noch funktioniert und zweitens er lebendig ist.

Hier weht im Hotel der Wind noch, wie er will.

Die Wärme des Tages und die Kühle mancher Nacht dringt ungefiltert in das eigene Reich der vier Hotelwände.

Denn die Klimaanlagen wurden vorsorglich demontiert, da es vereinzelt vorkam, dass russische Human-Resources-Manager diese einfach abmontierten, um sie in ihren sibirischen High-Tech-Datschas als Erinnerung an schlechte Zeiten einzubauen.

Dieses fünfgeschossige Hotel bietet für alle etwas und für andere unbedarfte noch weniger.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es genug.

Und wer entsprechende Real-Scheine mitbringt, kann sich bei den vielen engagierten Automobil-Einzelteilhändlern der Umgebung sogar das ein oder andere Vehikel selber zusammenkaufen.

Telefonanschluss gibt es freilich auch.

Aber im Sinne der Philosophie „NO STRESS“ wurde dieser ausgelagert und findet sich als Orelhão der Telemar direkt vor dem Hotel.

Karten gibt es bei Bedarf von jedem ambulante.

Und auch des nachts steht dem geneigten Besucher auch noch eine Unterhaltung zur Verfügung:

Im Baissement befindet der „Strip Club 13“ diskret aber eindeutig deutlich auf einem weissen Pappschild ausgeschildert.

Hier wird gestrippt, was der Büstenhalter hergibt.
Bis der letzte Fetzen Stoff in der Ecke liegt.
Bis die Mädels ausgepumpt sind.
Bis der Zuschauer in seiner Verzweifelung zu den Eiswürfeln greift.
Bis dass es dem Morgen graut.

Da sowas für manchen Besucher recht schnell geht – nicht jeder gehört zu der schnellen Sorte – wird das ganze auch als Slow Motion für entsprechenden Gegenwert angeboten.

Hierzu kann das Objekt der Begierde auch mitgenommen werden.

Leider steigen aber die Preise proportional mit der Höhe des Stockwerkes, in dem man wohnt, wenn man eines der Mädels in sein Zimmer darüber mitnehmen möchte.

Insider raten indes dazu die gute infrastrukturelle Anbindung des Hotels an der Avenida Brasil zu einem zusätzlichen Motelbesuch zu nutzen.

Also raus aus dem Altbekannten ausgetrampelten Pfaden Rios, rein ins Hotel União an der „Avenida Brasil“.

Wenn nicht beim nächsten Urlaub, wann denn dann sonst?

Aber vertut euch nicht, das Hotel ist möglicherweise belebter, als es wirkt.

Ich selber durfte nicht einchecken, da ich öffentlich bekennender Anhänger der Anti-Kakerlaken-Liga und Anti-Ratten-Liga bin, pingelig und versnobt auf klinisch saubere Umgebung achte, mich nicht auf jede ausgelutschte Matraze lege und generell alles tip-top in Ordnung haben muss und mich somit völlig für den Aufenthalt dequalifizierte …

… bin halt ein verwöhntes Balg und ansonsten ein Schisser, um mich in solch gut infrastrukturell ausgebauten Gegenden aufzuhalten …

Erinnerungen an meinen letzten Rio-Aufenthalt in 2005