Betont unauffällig (3)

Betont unauffällig wollten auch Bekannte von mir auf ihrem ersten Brasilienurlaub sein. :roll:

So saßen wir in einem Cafe und beide wollten von mir und meinem Freund wissen (der aus dem zweiten Teil), wie es denn mit der Kriminalität in Rio de Janeiro sei.

So erzählte ich Ihnen meine Geschichte vom extra unauffällig verhalten und wie das die Blicke wie Motten das Licht auf mich zog. Sie grinsten über das, was mir wiederfuhr und wussten sofort, woran es lag. Klar, ich war halt auch zu blöd, war deren Reaktion. Wer den Schaden hat, spottet halt jeder Beschreibung … >:-(

Und dann erzählte mein Freund seine Geschichte, wie ihm seine Kamera geklaut wurde. Beide hörten interessiert zu und dann sagte sie am Ende der Geschichte in ihrer Aachener Tränigkeit: „Also, wie Careca so erzählte, erschien Rio richtig harmlos. Aber wie er das so erzählt, dann scheint es ja richtig gefährlich.“ XX(

Ich grummelte.
Mein Freund und ich gaben den beiden somit am Vorabend vor dem Abflug noch ein paar Verhaltenstipps, damit sie Rio ohne grössere Probleme geniessen könnten:
So wenig wie möglich mitnehmen. Am besten nur das, was in den Hosentaschen passt. Rucksack oder Tasche immer gesichert festhalten. Keine weissen Socken und keine Hawaihemden und so. Klar, das kannten sie offenbar alles schon und meinten es sicher zu vermeiden. Das waren die ersten Tipps. Und dann kamen noch paar andere hinzu.

Sie meinten zum Schluss noch, sie hätten eine Diebstahlversicherung und würden so etwas gelassen entgegen sehen. Sollte jemand ihnen was klauen wollen, dann würden sie sich locker zurück lehnen. Denn schliesslich würden sie alles in Deutschland ersetzt bekommen. |-|

So flogen sie also Richtung Brasilien.
Und nach drei Wochen waren sie wieder zurück.
Und sie waren prompt in Rio de Janeiro ausgeraubt worden.

Beide waren in der legendären „bonde“ (ausgeschrochen „bondschi“) eingestiegen und dort ausgeraubt worden.

Bonde in Rio de Janeiro
Bonde in Rio de Janeiro

Die Geschichte der „bonde“ ist recht interessant:
Die „bonde“ sollte eigentlich Ende der Fünfziger Jahre abgeschafft werden. Doch dann kam der brasilianische Film „Orfeu Negro“ in die Kinos. In diesem Film spielte die „bonde“ Rio de Janeiros eine tragende Rolle. 1959 erhielt der Film in Cannes die „Goldene Palme“ und brachte der „bonde“ einen ungemein starken Popularitätsschub bei den Touristen. Schliesslich rang die Stadt sich durch, die „bonde“ bestehen zu lassen. Als Touristenattraktion und Bevörderungsmittel der eigenen Bevölkerung.

So fuhren also meine beiden Bekannten in der „bonde“ zum Künstlerviertel „Santa Theresa“ hoch. Sie hatten einen Rucksack mitgenommen. Darin befanden sich die normale Brille von ihm (er trug seine stark getönte), die Stadtkarte, ein dicker Reiseführer, eine Kleinbildkamera und ein Regenschirm. Der Rucksack lag locker und ungesichert über sein Knie. Er hatte dabei extra versucht keine Aufmerksamkeit mit dem Rucksack zu erregen. Unauffällig halt. ;D

Aber nicht lange. Schon bald standen beide ungewollt im Mittelpunkt.

Ein Dieb entriss ihm den Rucksack und sprang von der fahrenden „bonde“ ab und rannte den Weg der „bonde“ zurück. Während seine Freundin sauer dem Dieb hinterherbrüllte, sprang ihr Freund ebenfalls ab. Aber in die falsche Richtung (in Fahrtrichtung) und überschlug sich erstmal auf dem Aspalt. Dann sprintete er dem 100 Meter entfernten Mann hinter her. Vergeblich. Der Dieb war weg. :roll:

So trafen wir uns also nach deren Urlaub wieder.

Die Versicherung zahlte. Das war klar. Der Fall war ja aktenkundig.

Nur die verstauchte Hand von ihm tat noch immer weh. Und den ganzen Urlaub über musste er mit der getönten Brille verbringen. Bei Sonnenschein war das ja nicht das Problem. Nur des Nachts war alles dunkler als normal. :))

Was sie am meisten jedoch wurmte, war, dass gerade sie überfallen wurden, obwohl sie versuchten unauffällig zu bleiben, dass der Fotoapparat im Rucksack war und sie keine guten Fotos mehr machen konnten, dass sie ihren Reiseführer nicht mehr hatten, und dass trotz Versicherung sie nicht locker geblieben waren … :. :**:

Naja, betont unauffällig U-(