"Wir kommen daher aus dem Morgenland …"

„… und kommen daher geführt von Gottes Hand“

So beginnt ein bekanntes Sternsinger-Lied.

Es ist mal wieder „Heilige Drei Könige“. Während man sich in Spanien erst jetzt mit Geschenken beballert, was in Deutschland und Brasilien schon vor 13 Tagen passierte, so arbeitet sich Deutschland zum Feierabend durch, während Spanien feiert. Jawohl, während „Heilige Drei Könige“ in ganz Deutschland ein normaler Werktag ist …

… in ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Bayern und Baden-Würtembürgern bevölkerter Landstrich hört nicht auf, am sechsten Januar eines jeden Jahres frei zu haben. Süddeutschland hat seinen ersten freien Werktag im Jahr 2006.

6. Januar.
Was der 31. Oktober für Fans von Halloween ihr „Trick or Treats“ ist, das ist für die Katholen ihr „Sternsinger“-Entsenden.

Auf dem Lande, besser gesagt dem Münsterlande, entwickelte sich eine eigene Tradition des Sternenbesingens. Gruppen wurden am Samstag um den sechsten herum in die Bauernschaften rausgeschickt, um dort für wohltätige Zwecke erst zu singen und dann zu sammeln. Die einzelnen Gruppen bestanden aus einem Autofahrer, den „drei heiligen Königen“ und eventuell noch den Sammelbuchsenträger (ebenfalls als araberischer Berber verkleidet).

Tja, und dann verlief alles nach folgendem Schema:
Anklingeln, warten in beschaulicher Kälte bis die Haustüre aufgemacht wurde und dann singen! Alle drei bis vier Stropfen.
Und dann die insgeheime Spannung: Würde man uns zum Aufwärmen in die warme Stube herein bitten?

Stadtflüchtler, die auf dem Land deren Ruhe suchten, gaben schnell Geld (manchmal schon vor dem Ende des Singens … war der Gesang so geld-erpressend? :> …) und zu war die Tür.

Aber die alten Ureinwohner vom Land baten einen herein und schon kam die entscheidene Frage: „Was wollt ihr Trinken? Ein Schnäpsken zum Aufwärmen?“ Und je näher das Ende der Tour kam, desto öfter folgte dem ein Nicken. Tja, und am Ende war das Torkeln ein Fakt und die Heiterkeit der Sternsinger verräterisch alkoholgeschwängert.

Es war fast die Regel, dass bei der letzten Station das harmonische Singen durch ein zungengelöstes Free-Style-Singen abgelöst worden war. Textbeherrschung? Am Ende der Tour? Obwohl man das Lied schon ein Dutzend mal gesungen hatte? Geführt von Gottes Hand? Nee, nicht wirklich. Die Besuchten ergriffen auch schon mal das rabiate Mittel, das Singen zu unterbrechen und direkt zum Verweilen in der guten Stube einzuladen. „Was wollt ihr denn Trinken? Ein Schnäpsken zum Aufwärmen?“ Ja, ja, die Alt-Eingessenen wussten halt, was sich gehört. Und so wurden deren oftmals verängstigten Kleinkindern angesichts der arabisch vermummten Gestalten vor Augen geführt, wohin ungehemmter Alkoholkonsum führen kann: In die Trunkenheit.

Bevor jetzt einige den Kopf schütteln wegen dem Alkoholkonsum bei solchen Gelegenheiten: Wie soll sich schon auch die konservative Landbevölkerung davon überzeugen, dass sie nicht wirklichen Arabern gegenübersteht? Eben. Mit alkoholischen Getränken wird jeder Blender in arabischen Karnevalskostümen als normal katholisches Landei überführt. Und wir Blender haben es uns damals gerne gefallen lassen. Denn schliesslich kam uns nach der letzten Station unserer Rundreise unser eigener Gesang zu unseren eigenen Ohren wieder heraus:
„Wir kommen daher aus dem Morgenland …“

Als Abendländer setzten wir unser natürliches „Prost“ dagegen an.

Und es wirkte …

Careca