De Prinz kütt

Der Weltraum – unendliche Weiten.
Wir schreiben das Jahr 2006.
Dies ist das Abenteuer des Raumschiffs Bayern, das mit seiner 12 Millionen Mann starken Besatzung Generationen lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen.
Viele Lichtjahre von der Realität des Durchschnittsmichels entfernt, dringt die Bayern in Glaubensbereiche vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat …

bsssssst.

Stopp.
So einfach geht das nicht.
Das war jetzt total falsch und wird der einzigartigen Geschichte Bayerns nicht gerecht.
Franken freilich mal nicht eingerechnet.

Gott mit dir, du Land der Bayern!

Royalistischerseits von Lola Montez im Bett lecker gebumst und miltärischerseits von Preussen realitätsnah auf dem Schlachtfeld der Ehre vergewaltigt …

Das letztere nehmen einem die Bayern schon übel, wenn man sowas einfach in den Raum stellt. Da hatten die Bayern damals mal die Chance, ungehemmt auf Preußen zu schießen und was passiert? Ein Reservekorps der Preussen nimmt Nürnberg ein.
Das ist vergleichbar mit der Demütigung bei der letzten Fußball-EM 2004, als Portugals Reservemannschaft den deutschen Elitekickern zeigte, wie man schiesst und zudem auf welche Tore.

Nun, wie gesagt, da hatte Bayern mal im Jahre 1866 die Chance auf die „damischen SauPreiß’n“ zu schiessen und was passiert?
Die Bayrische Armee kann ihre Rechnungen für das Schiesspulver nicht zahlen. Bekanntermaßen hatten die Bayern das Schießpulver eben nicht erfunden und mußten es damals von ganz normalen Rüstungslobbyisten kaufen …
Und, die Bayrische Armee konnte sich für den Krieg nichts gescheites einkaufen, weil der bayrische Landtag durch entscheidene Haushaltkürzungen der Armee schlichtweg die Kugeln für deren Kanonen weg rationalisierte … Skandal, Skandal …

Moment.
Haushaltskürzungen?
In Bayern?
Skandal?
War da nicht was?
Vier Jahre schaffte es so ein Lebensmittelindustrieller, seine Fleischspiesse in den Gefrierräume aufzubewahren.
Vier Jahre kam dort kein Lebensmitteltechniker vorbei, um bei dem Großhändler mal ne Probe zu nehmen. Erst ein Hinweis auf den Betrieb, brachte das erschreckende Ergebnis:
Gammelfleisch in Bayern.
Und das jenseits des bayrischen Parlaments, da wo die Isar lang plätschert.

Und wieso das alles? Vielleicht weil die stoiber’sche Landesregierung einen knallharten Sparkurs fährt und Lebensmittelkontrolleure weg rationalisierte?
Also nur ein Versuch die ca. 1850 Euro Schulden pro Mann und Maus im Lande Bayern zu tilgen? Eine übelste Geiz-ist-geil-Politik? Dabei geht die pro-Kopf-Schulden-Senkung nur über den Weg, dass man die Bevölkerung zur Vermehrung seiner selbst anhält! Also mehr Freizeit und billigere Betten, damit das bayrische Schnackseln entlich mal wieder berühmt berüchtigt wird …

Und dann sickert durch die Presse, dass der Gammelfleisch-Händler auch nördlich des Weißwurstäquators lieferte …
Hat die bayrische Regierung davon gewußt?
War es eine kalkulierte späte Rache für die Niederlage von 1866?
Oder musste der Giros-Spießladen aus anderen Gründen auffliegen?

Es ist ja schon verdächtig.
Erst erklären die Bayern schießenderweise ihre Umgebung zur Bären-freie Zone.
Dann errichtet der Stoiber fast im Alleingang mit seinem eigenen Mundwerk die Transrapid vom Franz-Josef-Strauß-Flughafen bis zur Stoiberschen Staatskanzlei.
Dann schuhplatter’ln sich die Lederhosenbesitzter aus dem indigenen Bayern von internationalen Kameras abgefilmt durch die Eröffnung der Fußball-WM.
Dann räumen die Polizisten am CSD (Christopher Street Day) eine Gummipuppe mit Kondomen im vorauseilenden staatsanwaltschaftlichen Gehorsam weg, weil die damit ein Staatsoberhaupt beleidigt sehen … .

Staatsoberhaupt?
Aber hallo!

De Prinz kütt!

Ganz Bayern ist in Aufruhr!
Nach Kaiser Beckenbauer, dem verrückten Neuschwanstein-König, auch als Bauernausbeuter KINI verehrt (nicht zu verwechseln mit einem gewissen Gelbfüssler namens KLINSI), kommt jetzt der Prinz nach Süddeutschland.

Nächstes Wochenende ist es so weit.
Begleitet wird der Prinz, traditionsgemäß von Bauer und Jungfrau. Alle drei stehen auf dem Karnevalswagen schmeissen Strüssje, Kamelle.
Und machen ihr persönliches „Alaaf mit“ …

De Prinz kütt!

Die Polizei klebt die Gullideckel zu, testet den Karnevalswagen im öffentlichen Straßenverkehr, kontrolliert die Humorfreudigkeit der Einwohner …

Was?
De Prinz kütt net ?!?
Der Elfte Elfte ist erst in zwei Monaten?
Und Alaaf nur als gummifreie Selbstliebe?

Und das ist überhaupt kein Prinz sondern der Papst?

Moment.
Ein Bayer zu Gast bei Bayern?
Oder ein Kirchenoberhaupt, der sich von seinem Schatzmeister einen Heimaturlaub finanzieren läßt?

Bayern ist im Ausnahmezustand.
Jeder Pluderhosenträger, jede Kopftuchträgerin, jeder nicht politisch „rechts“ angesiedelt ausschauender Mensch wird 26 Jahre nach dem letzten Besuchs eines Papstes in Süddeutschland von der Staatsgewalt mit HDTV-Kameras abgefilmt werden.
HDTV muß sein, denn Bayern hat außer die Geheimorganistaion in Pullach auch noch den Ruf als Technologie-Bundesland-Nummer-1 zu verteidigen.

Die Polizei hatte bereits mal beim CSD vorgeübt.
„Religionsbeschimpfung“ ist ja so eine Sache und als Verdachtsmoment schwer zu bestimmen. Man kann „Religionsbeschimpfung“ nicht so leicht medienwirksam begreiflich machen. Aber „Beleidigung eines Staatsoberhauptes“ kann als Verhaftungsgrund immer herhalten.
So wurde mit eben der letzteren Begründung eine Gummipuppe mit Mitra und Kondomen im Vorfeld des CSD eingezogen. Die Personalien der Puppen-Schwinger wurden aufgenommen und das Beweismaterial eingezogen.

Die Gewaltenteilung Legeslative (Parlament), Judikative (Gericht) und Exekutive (Polizei) hatte funktioniert. Alle operierten unabhängig voneinander:
Die Politiker jaulten ob der Puppe (Modell für Schwule aus dem Beate Uhse Shop; und die Politiker erkannten selbstverständlich die Puppe wieder, zwar nicht an der Mitra aber an den Kondomen …).
Die Polizei spielte sich als Jurist auf und wandte ein Gesetz an, welches nachher keinen Staatsanwalt überhaupt ein Sekündchen lang interessierte.

Die Gewalt war somit enteilt und niemand kümmerte sich mehr drum.
Gewaltenteilung eben.
Gewalt-enteilung eben.
… ein kleiner Strich für die Rechtschreibung, ein gewaltiger Schritt Richtung schwedische Gardinen für mich, sollte ein übermotivierter bayrischer Staatsanwalt hier mitlesen …

Aber Hauptsache war, die Puppe verschwandt aus dem CSD-Umzug. Und das im Vorfeld des Papstbesuches.
Nebenbei, ein CSD-Zuschauender (katholisch? Hetero? Unschwul?) soll sich über die Puppe beschwert haben …

Zur Gefahrenabwehr ist die Polizei in Bayern ja schon seit 1968 gegen Einheimische trainiert. Lediglich mit den Ausländern klappte es 1972 am Fürstenfeldbrucker Flughafen nicht so ganz. Die Polizei musste zur Herstellung von Recht und Ordnung Entführer samt Entführte wegsprengen. Kollateraler Schaden inbegriffen.

Nun kommt er also.
Das Oberhaupt der religiösen Glaubensgemeinschaft in eine weltoffene Stadt, in der Organisationen wie Scientologie unbehelligt und ungehemmt auf den Münchener Strasse für ihre Glaubensgrundsätze werben darf.

Quod licet Iovi, non licet bovi (vom unseriösen Akademiker-Latein aufs seriöse Deutsche: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt.“) sagt sich die bayrische Polizei und wird vor dem öffentlichen Auftritt alle Kopftuchträgerinnen und andere arabische Gestalten aus U-Bahnen und Zügen fischen. Vorbeugend. Denn das Kopftuch ist ja inzwischen schon anerkannt, als brutalst möglichste Herausforderung an den braven deutschen Christenmann und könnte den Papst wohlmöglich beleidigen. Ausnahmen gelten für vermummte schwarzbekappte Frauen, die traditionell als Nonne gelten und nicht als Frau eines reichen Saudi-Arabiers.

Und Ballack-Fans mit der Nummer 13 auf dem Rücken werden besonders kritisch beäugt. Man weiß ja ums Verrecken nie …

An den Public-Viewing-Areas der öffentlich abgeschlossenen Gottesdienstübertragungen sollen Polizisten von Seelsorgern betreut die Eintretenden gründlich untersuchen.
Was dann klar sein dürfte: unter zwei „Vater-unser“ und drei „Ave-Maria“ kommt da niemand ins Öffentliche-TV-Glotz-Gebiet rein.
Maximal gibt es ein polizeilich verordnetes „rechts entlang, immer nur ein Kreuz“ zur grünen Minna. Unrasierte, Pluderhosenträger, Langhaarige und Kopftuchträgerinnen werden da gleich hin verfrachtet.

So greift die Gammelfleisch-Geschichte doppelt:
Bayern versuchte vier Jahre lang die „damischen Preißn“ systematisch mit Export-Döner auszurotten, schmeisst danach angesichts des Papst-Besuches reuevoll mit vier Jahre alten tiefgefrorenen Dönerspießen auf die türkische und arabische Frischfleischmafia und hat dann noch ein Grund mit Unterstützung der Scientologie das Kopftuch im Zuge des Terrorrismus als Staatsgefährdung zu definieren.

Eilderweil wird der Bayer aus dem Vatikan am nächsten Wochenende seine zweite Deutschlandtournee bestreiten. Und garantiert wird 100-Prozent-pro ganz gespannt die bayerische Staatsregierung auf die göttliche Eingebung warten, die der Bayer (ehemals Ratzinger, jetzt el Staatschefe Benediktus) aus dem Vatikan wohl mitbringen soll.

Genau so wie es der bayrische Prophet Ludwig Thoma (1867 – 1921) seinen einheimischen Bazis schon seit jeher versprochen hatte.

Und so wartet die Bayerische Regierung bis nach dem Papstbesuch auch weiterhin vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.

Und nu?
Wie anfangs gesagt, ich bin der eindeutigen Meinung:
De Prinz kütt!
Auch vor dem 11.11.2006!

Kölle, alaaf!
Stippefötsche!
Kölle, alaaf!
Narhalla-Marsch!
Kölle, alaaf!

Eben.

De Prinz kütt …

8 Gedanken zu „De Prinz kütt

  1. Narhal (la la lalalala, la lala la la la lala, la la…) marsch!!!

    „VIVA COLONIA“ ..dazu sag ich nur: ach godderla

    Adela, Juleika ;)

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  2. Narhallamarsch!!!
    Köbes, donn mer en Kölsch!!!

    Äh, lalala heisst übersetzt was?
    Zunindest nicht „VIVA COLONIA“ …

    Sem ideia

    Careca

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  3. Ich empfehle dir, nimm dir nen leckeren Riesling – gut gekühlt – mit. Aber vergess nicht vorher mit Eding MEßWEIN drauf zu schreiben. Und schon ist es keine potentielle Bombe mehr sondern das Objekt der puren Begierde (seitens der Priesterschaft).
    Okay, du bist Sportlerin und insofern ist es absolut unbedenklich, weil Meßwein nur das Doping des kleinen Mannes aus der Priesterschar ist …
    Wie sang nochmals Ambros (oder war’s Fendrich)?

    Ich fühl mich wie der Jesus. ich verwandle Wein in Wasser, das ich lasse …

    :DD

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  4. Seit gestern bin ich wieder im schönen Bayern und hätte vor Verwunderung fast einen Preißn zamgfahrn, als ich mit meinem Radl am Marienplatz vorbei bin: da standen gar keine Räder mehr rum. Anscheinend hatten die wirklich alle Besitzer…..denn die Radbomben-Entfernung der Bolezei beginnt doch erst noch, oder!!?

    Vielleicht hab ich Muse, ich wohn ja quasi auf der Strecke und schau vielleicht mal mit meiner 1,5 Liter Wasserflasche vorbei. Zur WM war die verboten, weil man selbige ja mit Kieselsteinen zum tödlichen Geschoss verwandeln könnte. Beim Papst darf es nur keine Wasserflasche sein.

    Lauter Damische!

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