Seltsam …

… ich sitze vom Eröffnungsspiel der Fussball-WM maximal ein Dutzend Kilometer entfernt und erhalte das Livebild aus einer zehnfachen Entfernung.

Das Fenster ist geöffnet, die Strasse still, ein Fernseh-Gemurmel aus verschiedenen Fenstern.

Ich starre in den Fernseher. Ein deutscher Spieler versenkt den Ball im Tor. Auf der Strasse bleibt es ruhig. Kein Torjubel zu hören. Im Stadion wird aber schon gejubelt.

Einundzwanzig, zweiundzwanzig …
Plötzlich hallt ein kollektiver Schrei durch die Strasse. „Tooor!“

Ich schalte bei meinem Computer die DVB-T-Fernsehkarte ein und vergleiche das Bild meines Fernseher vom österreichischen Fernsehen mit dem Bild des ZDF-Live-Bild.

Einundzwanzig, zweiundzwanzig …

Das deutsche Fernsehen sendet mit zwei Sekunden Zeitverzögerung.

Das Live-Bild aus dem Münchener Stadion flimmert nicht live über den Fernseher, obwohl es live ist.

Während die Österreicher schon jubeln, wartet Deutschland noch aufs Tor.

Verkehrte Welt?

Seltsame Welt.

Ein gegenwärtiges Erleben der Vergangenheit, einer Art Zeitverschiebung …

empfindet

Careca