Das liebe Finanzamt hatte mir einen herzergreifenden Bettelbrief geschickt.
Deftige Steuernachzahlung, dachte ich zuerst in meinem jugendlichen Leichtsinn.
Aber nein.
Der lieben Merkel soll’s verdammt schlecht gehen, meinten die.
Sie sei momentan nicht nur auf eine dürre Diät, nein, sie hätte auch gleich den massiven Plural davon zu verkraften: Diäten.
Dicke Tränen hatten wohl die hackelige Unterschrift verschmiert, aber irgendwie muss der kurze Name wohl wie „Rafke“ oder so gelautet haben.
Erst habe ich ihn ignoriert, den blauen Brief.
Dann kam der dunkel klingende Anruf, entweder zahl ich diesen Monat Merkel’s Diäten oder mein Brötchengeber kriegt den ausgeschriebenen Großauftrag bei dem Stuttgarter Kleinunternehmen nicht.
Schliesslich wär ich diesmal selber von all den vielen aufrechten Bundesbürgern an der endlosen Reihe mit dem „Zahlemann und Söhne“, meinte die eindeutig rauhe, männliche Stimme, während eine aufgeregte Kinderstimme im Hintergrund plärrte: „Pappi, sind wir jetzt in Pullach?“
Ob ich denn wolle, dass die Merkel bei der so desolaten Haushaltslage Deutschlands im nächsten Monat hungertuchnagende „Hartz IV“-Kandidatin werden solle?
Und wieder krähte die markerschütternde Kinderstimme im Hintergrund:
„Pappi, will auch jemanden anrufen!“
Nun, dacht ich, der Klügere gibt nach, obwohl eigentlich wollte ich doch dieses Mai-Wochenende in meiner Eckkneipe nachkippen.
Aber egal.
Was du heute kannst besorgen, dass verschieb man lieber nicht auf morgen.
Schnell hab ich mir also demutsvoll ein Ticket von Johannes B. Kerners Lieblingsfluglinie, der „Air Berlin“, besorgt – war ja eh grad Wochenende und ausserdem hatte ja auch die Merkel Muttertag -, bin in die Bundeshauptstadt geflogen und habe der nett und verständnissvoll lächelnden Merkel meine sauer verdienten Kröten ausgehändigt …

Man gönnt sich ja sonst nichts.
Steuernachzahlung
Nun, ab jetzt sollte ja alles wieder wie geschmiert laufen …
hofft
Careca 