Aus dem Kabarett-Programm „Abel verpflichtet“ (1971) der „Münchner Lach-und Schiessgesellschaft“ (u.a.a. mit Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Horst Jüssen, Hans Jürgen Diedrich, Barbara Novak; Regie: Sammy Drechsel; Texte: u.a.a. Klaus Peter Schreiner)
Fünf intelligente Wesen von einem anderen Stern, Alpha bis Epsilon geheißen, sind auf der Erde gelandet, haben menschliche Gestalt angenommen und funken nun Beobachtungen zu ihrem Heimatplaneten hinauf.
Ihr Landeplatz befand sich in einem Wintersportgebiet und so meldeten sie nach Hause:
»Als wir mit unserer Tasse gelandet waren, sahen wir als erstes in einiger Entfernung eine große, weiße Fläche, ziemlich stark geneigt. In regelmäßigen Abständen bewegten sich auf ihr dunkle Punkte nach oben, immer zwei nebeneinander. Oben angekommen bewegten sie sich sofort in wilder Unordnung nach unten. Dann wieder nach oben – dann wieder nach unten – dann wieder nach oben … «
»Selbst exakte Aufzeichnungen des Bewegungsablaufs ergaben nicht den geringsten Sinn.«
»Erst lang dauernde Beobachtungen zeigten, dass der Bewegungsablauf dazu dient, die weiße Fläche zu beseitigen.«
»Denn als die Fläche nicht mehr weiß war, hörten die Bewegungsabläufe auf.«
»Der Mensch, so ergab sich aus unseren Beobachtungen, ist also offensichtlich auf die Vernichtung alles Weißen bedacht.«
»Sinnloserweise stellt er jedoch wiederum ständig Weißes her.«
»Kleine weiße Stäbchen beispielsweise, die er anschließend unter Zuhilfenahme seiner Lunge wieder vernichtet.«
»Das führt, wie er selbst genau weiß, über Kreislaufstörungen, Raucherbein, Herzinfarkt und Lungenkrebs zum Tod.«
»Trotzdem ist es erlaubt.«
»Hingegen ist es weithin verboten, den Rasen zu betreten.«
»Das Betreten des Rasens muss also für den Menschen absolut tödlich sein.«
»Rekapitulieren wir: der Mensch ist der Feind des Weißen, der Rasen ist der Feind des Menschen.«
»Warum aber pflegt dann der Mensch den Rasen?«
»Gegenfrage: Warum hat der Mensch das Weiße Haus nicht schon längst in die Luft gesprengt?«
»Weil es von Rasen umgeben ist.«
Die fünf Außerirdischen, die von menschlichen Gedankengängen ja keine Ahnung haben, studieren aus ihrer Sicht irdische Verhaltensweisen, so die menschlichen »Abschöpfungsmethoden«, also wie die Weltbewohner mittels Auto, Atombombe und Politik ihren Bestand immer wieder reduzieren, und das Gegenteil, ihre Fortpflanzungsgewohnheiten:
»Sie nennen es Sex«, reportiert Epsilon nach droben.
»Sex ist eine Zahl, und darum sagen sie auch ‚Nummer‘ dazu. Offiziell heißt es Verkehr und sie haben dafür sogar einen Minister. Für alles, was nicht klappt, haben sie hier einen Minister . . .«Am Schluss ziehen sie – wie sollte es anders sein – eine für uns nicht sonderlich erfreuliche Bilanz:
»Der Planet römisch drei im Fixsternsystem Martha hoch Mega Anton, von einer warmblütigen Wirbeltierspezies, welche als einzige über ein zerebrales Sprachzentrum verfügt, ‚Erde‘ genannt, ist im gegenwärtigen stellaren Stadium sowohl für Lungen- und Kiemenatmer als auch für Anaeroben zeitweilig bewohnbar.
Intelligente Lebewesen wurden darauf nicht festgestellt.«