Wählerisch


„Also, pass mal auf, wenn du dieses hier mit dem da mischt, dann hast du ein blumiges, erdiges Erlebnis mit einem Hauch von Karibik unter dem Gaumen. Und im Rachen britzelt ein Sonnenuntergang wie in Rio de Janeiro am Arpoador-Felsen.“

„Dem Pedro de Arpoador in Rio?“

„Genau dem!“

„Echt? Wow. Wenn die Sonne von dort aus im Meer versinkt, dann applaudieren die Menschen. Ist nicht wie hier in Aachen. Schon mal erlebt?“

„Nein.“

„Aber ich. Einmalig“

„Ich sah nur den Sonnenuntergang auf dem Teide von Teneriffa. Im Schlafsack mit zehn anderen Kletterern.“

„Echt? Wow. Genial. Ich beneide dich.“

„Und ich dich um Arpoador. Warste privat dort?“

„Privat und geschäftlich. Aber darüber rede ich ungern. Vergangenheit.“

„Ja, die Vergangenheit. Der Teide war auch so eine Geschichte. Ich wollte hoch hinaus. Und danach war der Abstieg nur noch per Seilbahn möglich. Kontinuierlich und unerbittlich.“

„Unerbittlich musst du mal Jägermeister mit Tonic und O-Saft mischen, ein Minzblättchen darüber, ein Spritzer Hansa-Bier untergerührt, leicht vermischt mit gehakten Eiswürfeln. Aber nur leicht umrühren.“

„Ein Spritzer Hansa-Bier?“

„Ein Spritzer. Aber nur einen. Und dann gut verrühren. Aber nur leicht. Jeder, dem ich das servierte, war begeistert.“

„Wow. Hört sich gut an. Du warst Bar-Mixer?“

„Nein. Cocktails war mein Hobby als BWL-Student. Damit habe ich die BWL-Mäuschen damit reihenweise flach gelegt. Die haben immer nur auf meine Fleckenkrawatte und meinen Aktenkoffer gestarrt. Das war mein Schenkelöffner schlechthin.“

„BWL? Hattest du ne eigene Firma?“

„Nein, ich arbeitete mal für den Windhorst. Ich hab ihm immer gesagt „Probleme sind nur dornige Chancen“ . Der hat nur gegrinst. Keine Ahnung, ob er ihn verstanden hatte. Nur den Satz hat er sich wohl gemerkt. Ich hatte mal gehört, wie er den Satz einszueins am Telefon irgendwem mal erzählte. Wohl so nem Studienkollege.“

„Windhorst? War das nicht mal der Adler Kohls? Das Vorbild für die Jugend?“

„Vergiss es. Jener flügellahme Adler hat meinen geniösen Satz am Telefon als den seinen Einfall ausgegeben. Arschgesicht. Hm. Themawechsel. Hast du schon den neusten Jahrgang vom Vin de Pays de l`Hérault probiert? Ich sag dir, eine Offenbarung. Dagegen war der letzte Jahrgang der reinste Koma-Rotwein. Der kommt so etwas, wenn du ihn unter die Zunge bringst.“

„Nicht mein Fall. Ich bleib lieber den Amerikanern treu. Ehrlich, hart und erdig. Deren Whiskeys schmecken einfach unvergleichlich.“

„Naja, bleib doch lieber europäisch. Oder deutsch.“

„Deutschland hat keine Whiskey!“

„Noch nicht, aber im Schwarzwald soll sich eine Destille gründen.“

„Schwarzwald. Pah. Wir sind doch hier nicht im Schwarzwald. Ist eh alles im sauren Regen verregnet.“

„Aber immerhin westdeutsch.“

„Meinetwegen. Nur geht es im Leben darum in der Champions-League der Weltklasseliga mitzuspielen. Und da muss sich alles an Jackie messen lassen.“

„Jackie ist nicht das Maß der Dinge.“

„Sondern?“

„Ein leckeres Bier.“

„Okay. Aber sowas knallt nicht so dolle. Es braucht mehr Effektivität und Effizienz.“

„Effektivität und Effizienz? Hört, hört, hört. Hast du dazu bereits Kennzahlen erstellt?“

„Kennzahlen? Wieso?“

„Effektivität und Effizienz sind nur messbar, wenn es dazu Kennzahlen gibt. Jedes Jahr eine Kennzahl, und jede muss besser sein als jene des Vorjahres. Das ist Fortschritt. Das ist Wirtschaftswachstum.“

„Willst du jetzt Bier mittels Kennzahlen beurteilen?“

„Warum nicht? Wenn wir auf dem aufkommenden Weltmarkt Bestand haben wollen, müssen wir uns dem Wettbewerb stellen. Weltklasse geht nur mittels Kennzahlen.“

„Stimme ich dir zu. Wenn wir uns nur auf unser Gefühl verlassen, dann werden wir die Liga der Weltklasse verlassen. Und wollen wir das? Da stimme ich dir vollkommen zu. “

„Natürlich nicht! Der Feind des Guten ist der Bessere. Und wir müssen besser werden. Nur die Schönträumer meinen, mit Anti-Kapitalismus lässt sich eine Weltwirtschaftsordnung errichten.“

„Ich sehe, wir reden auf einer Linie. Wer die Wahl hat, benötigt keine Domina.“

„Ich sag dir eines: Wir sitzen hier, die Welt zieht wie auf nem Catwalk an uns vorüber, wir schauen auf den Kugelbrunnen und wissen mehr als die Leute, die vor uns auf und ab rennen und hoffen, man beachte sie in ihrer Öcher Printenseeligkeit.“

„Du sagst wahres. Wir haben unsere Konten gefüllt und haben jetzt das laissez-faire, laissez-aller, was alle so gerne hätten, aber nicht haben, weil sie nichts geschafft haben. Schau dir doch nur die Gestressten an. Ich lache. Schau dir doch nur den dämlichen Fotografen dort drüben an. Wahrscheinlich ein Öcher Maschbauer. Trottel von Aachen. Glücksfall für Frauen. So einer wird immer nur arbeiten, ohne etwas zu haben. Wenn solche alle demnächst an der Wahlurne gehen, fällt denen eines Tages auf, dass die 99% von dem, was denen als Leben verkauft wird, nicht brauchen.“

„Yep. Eine Armee aus Schrott- und Neurosen-Süchtige.“

„Hey! Rede nicht so daher! Nimm sie wenigstens etwas ernst! Als Menschen. Meinetwegen auch als Trottel. Aber als Menschenwesen.“

„Tu ich. Diese Knispel geilen sich nachher immer über Wählerbeschimpfungen auf. Erst durch passende Beschimpfung fühlen diese sich doch wertgeschätzt.Und darum werden die auch das wählen, wofür sie nachher die meiste Wertschätzung erhalten.“

„So ein Quatsch!“

„Hm.“

„Doch!“

„Okay. Sie wählen mündig und aufgeklärt deren Weltklasse. Die Schafe wählen ihre Metzger.“

„Du willst also erklären, dass Wahlen der Schlachthof der Demokratie sind, weil der einzige wahre dritte Weg die Diktatur sei?“

„Äh. Nein. Der dritte Weg ist eindeutig marodierender Art.“

„Wollte ich auch gehofft haben. Du hast noch mehr Hirn als die, die uns hier so hirnlos angaffen. Wie hatte dein letzter Chef nochmals gesagt?“

„Geh wählen und ihr werdet auserwählt werden.“

„Echt? Soll der gesagt haben?“

„War Priester. Trat zwei Jahre später aus der Kirche aus und verkauft inzwischen am Bushof den Wachturm.“

„Gott erhalte ihn.“

„Möglichst bald? Oder seelig? Sprich, biste so gläubig auf einmal?“

„In vino veritas.“

„Was trinkst du denn, dass du jetzt so filo so fisch wirst.“

„Vin de Pays de l`Hérault.“

„Weißt du, dass in kalten Jahreszeiten sich die Flasche mit O-Saft, Zimtstangen und Nelken für das Zwanzigfache verkaufen lässt? Die Mittelklasse giert danach, wenn er gut warm und dafür teuer verkauft wird.“

„Klar, weiß ich das. Erstes Semester BWL, Vorlesung vom Wirtschaft-Prof.“

„Und was hat es dir gebracht?“

„Dass sich Gummibärchen mit paar chemischen Komponenten und Kohlensäure in Wodka auflösen lassen und dann besonders gut mit chemischen Drogen knallen.“

„Tja, das so ist der Fortschritt. Er muss gut knallen. Eine Weltklasse will halt nun mal jeder auch beim Saugen der Strohhalme. Hauptsache es passt irgendwie. Sind ja jetzt so alle so öko und bio und so gesund.“

„Willste noch meine Mischung Wilder Mann? Himbeersirup mit Wodka, etwas Bacardi, drei Teile Ananassaft, etwas Genever und einem Schuss Kölsch in einer Konlechner-Bier-Dose geschüttelt, weil die so ne geile Innenraumdosenversiegelung haben.“

„Klar, gib mal rüber. Aber statt Ananas lieber Anna trocken, woll.“

„Häh?“

„Kalauer gemacht. Echt jetzt: deine Mischungen waren bislang wie immer Weltklasse. Die dort an uns vorbeigehen, die sind doch nur neidisch, weil wir deren Welt nicht mehr ernst nehmen.“

„Du sagst es. Hier. Nimm die Dose. Macht vierfuffzich, weil du es bist.“

„Klar. Kannste auf nen Hunderter wechseln?“

„Mach mich feddisch, du Säufer!“

Weltklasse fuer Deutschland

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf


Die Messe ist gelesen, das Zäpfchen gelutscht, das Hühnchen gerupft, der Trumpf verbraten. Und weiterhin, sie haben noch immer den klugen Kopf. Immerhin. So deppert, wie andere ins Bild gesetzt werden, da ist mir der Kopf hinter der hochgehaltenen aufgeschlagenen Zeitung immer noch lieber als Bild-ungsbürgertum als Unterlage für ne Pommes. Denn am geschliffenen Geist macht es mehr Lenz, sich zu reiben als an deutscher Eichentümelei.

Nur, da lese ich auf „klugen Kopf“-Internetseite „Deutsche Manager reden sich Trump schön“. Nun, auf meiner Visitenkarte steht dieses plakative Wort. Nein. Nicht „Trump schön“. Sondern „Manager“. Und? Rede ich ihn mir schön? Auf meinem Tisch steht ein Glas Rotwein. Montes Alpha. Chile. Grüße aus dem Feuergürtel dieser Welt. Und sie können das, was andere in Deutschland nicht können, und zwar Rotwein. „Trump schön“? „Clown schöööön“! Der Besitzer der Autorenrechte dieses letzten Zitats ist bereits tot. Und: Gott erhalte Trump! Hat da gerade wer gedacht „möglichst bald“?!? Denkt dran, die NSA ist überall dabei. NSA geht immer. Und seid ihr jetzt sicher, dass diese harmlose kleine Glühlampe an eurem Schreibtisch nicht der Generation „Smart Home“ angehört und mit der NSA verbandelt ist? Präsidentenbeleidigung ist strafbar, woll. Da sei euch der Fall „Erdogan“ ein mahnendes Beispiel, wie sowas funktionieren kann. Also seid brav, nett und demokratisch linientreu. Lediglich lebende Fische sind dem Strom aufwärts eine Bedrohung. Sagt ja auch der der Mann am Joystick der Drohne in Rammstein.

Rede ich mir Trump schön? Nicht wirklich. Vielleicht sollte man hier endlich mal zur Kenntnis nehmen, dass Hillary Clinton mit Hilfe ihrer Partei einen Mitkonkurrenten kaltgestellt hatte, damit sie weiter um die Macht mit Trump konkurrieren konnte. Wenn man einen 2CV6 („Ente“) hat, um damit gegen einen alten Cinquecento (Fiat 500) anstinken will und deswegen einen „R5“ alten Kalibers im Rennen um das Präsidentenamt mit Hilfe der eigenen Partei die Reifen abmontieren lässt …

Die Amerikaner wählten schon immer die beste Nase aus der ganzen Schlammschlacht-Arena. Den den sie für als den besten erachteten. Star-Wars-Regen. Praktikant-Klintor. Bomben-Busch. Guantanomo-Auflöser-Drohnen-Obamama. Ach ja, okay. Das Wahlsystem … gut, einverstanden, die Spielregeln des Wahlsystems sind Scheiße, denn sonst wäre Hillary … und wenn vier Ecken ein Elfmeter ergäben, wäre Deutschland schon zehnmaliger Fussball-Weltmeister. Und wer hat’s verhindert? Ein Korrupter …

Das demokratische Leben ist nun mal ungerecht, Scheisse und blöde.. Nur Diktaturen haben eindeutige Spielregeln … würde die AfD ja auch sagen, wenn es nicht so unsäglich undemokratisch wäre …

Ob ich mir Trump schön rede? Nicht die Bohne.

Meine Kreditkartengesellschaft schrieb mir neulich, dass ich bei einem Kartenguthaben von 0 bis 10.000 Euro lediglich 0,2% Zinsen erhalte. Über 10.000 Euro vergüten sie mir mein Guthaben mit 0% Zinsen. Hey ich bin aufgewachsen, da gab es auf dem Sparbuch noch 3% pro Jahr. Heute tauchst du mit 11.000 Euro bei der Bank auf? Dann haste du erstens die Ermittlungsbehörden an den Hacken und danach ziehen dir die Banken auch noch noch zwei Fünfhunderter-Scheine als Strafgebühr bei der Einzahlung ab. Dein Geld ist nicht geschäftskompatibel ist. Du solltest doch lieber in Immobilien investieren. Mach mit bei der nächsten Blase. Kein Wunder, wenn die Mieten hier in München steigen, weil jeder versucht, das Beste aus seinem Geld heraus zu holen. Mit 11.000 Euro kriegste ja noch nicht mal einen Stein der Grundmauern einer Wohnung. Und wundert es den Leser, dass ich deswegen als Mieter auch nicht mit 11.000 Euro meiner Bank eine Krise auslösen kann, weil ich dazu keine Sparchance habe …

Es ist ja offensichtlich nicht mehr so schlimm, eine Bank zu überfallen. Denn um solche Gewaltaktionen kümmert sich der Staat. Nur ist es jetzt erheblich bedrohlicher eine Menge Geld einzahlen zu wollen. Da kümmert sich die Bank mit entsprechenden Zinsstaffelungen drum. Kommt ein Reicher mit seinem Vermögen in die Bank und droht ein Sparbuch aufzumachen. Da droht aber die Bank mit Zinsen und Gebühren dagegen. Aufrüstung der Reichen gegen noch Reichere. Wie sagte bereits der weltweit von Arm und Reich geachtete (wieso?) Mensch Warren Buffet: „If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.“ (übersetzt: „Wenn in Amerika ein Klassenkampf tobt, ist meine Klasse dabei, ihn zu gewinnen.“). Trump ist garantiert auf Warren Buffets Seite beim Buffet am Tisch der Armen (… dieser Kalauer musste jetzt sein …).

Also zurück zu Trump und der Zeitung, hinter der eh immer ein kluger Kopf steckt. Da fällt mir gleich als nächste Schlagseite auf, dass Hunderttausende unter anderem vor allem Frauen gegen Trump demonstrieren. Hunderttausende! Ist das nichts? Gut. Im nächsten Satz wird dann desillusionierenderweise das Wort „weltweit“ gebraucht. So, so. Es gibt wohl auch nur Zweihunderttausend Frauen auf dieser Welt, denn ansonsten wäre das keine Schlagzeile mit der Erwähnung des Wortes „Frauen“ wert. Manager Deutschlands (wie viele?) reden sich Trump schön (Prost!) und Hunderttausende mit „vor allem“ Frauen demonstrieren weltweit gegen den amerikanischen Clown Trump (… liebe NSA, das war nur ein harmloser, satirischer, unwichtiger Witz, ehrlich, echt jetzt  … oder doch nicht? …). Und links die Schlagzeile, dass die Partei „Die Linken“  eine Eintrittswelle verzeichnet, direkt rechts daneben Hurra-Rufe für Petry, Wilders, Le Pen und Trump …

Hm. Ich saufe, pardon, rede mir Trump nicht schön, ich bin keine weltweit demonstrierende Frau und trete auch nicht in die Partei „Die Linken“ ein … ernsthaft, ist mein Leben in Gefahr? Eine wirkliche Notwendigkeit? Ein echter Missstand? Oder ist das lediglich unschön?

Und jetzt das wichtigste! Fußball-Bundesliga zum Auftakt im Jahr2017: das Ergebnis „1:“2“ gab es bisher wie das Ergebnis „1:0“ gleich zweimal (Stand: Samstag vor dem Sonntag). Drei andere Spielergebnisse wollten sich wohl mit anderen Ergebnissen wichtig machen und damit Wettquoten verderben. Das ist bedenklich. Ernsthaft. Insbesonders da es keine Anhaltspunkte für Bestechung gibt. Und das beim Fußball. Das ist ja so wie Olympia ohne Doping. Geht gar nicht. Könnte da mal wer nachforschen? Ist jetzt absolut wichtig. Es geht um meine Quote! Ernsthaft. Meine Bank wollte mir die 10-Euro-Einzahlung mit 10 Cent strafen, also hab ich gewettet und jetzt schein ich auch im Wettbüro dieser abartigen Modeerscheinung „negative Zinsen“ zum Opfer geworden zu sein.

Trump schön saufen … äh, reden. Als Manager? Benötige ich nicht. Ich fang schon mit den AGBs meiner Bank an. Prost.

Pop … pop … populär: Tagebuch-Leak


Geheimer Auszug aus meinem eigenen, skandalösen Tagebuch. Von mir unbarmherzig veröffentlich, damit jeder die Wahrheit erfährt. Jeder. Aber auch wirklich jeder. Echt jetzt. Macht man doch so, oder etwa nicht? Egal. Total egal. Mir total schnurzpiepegal.

Heute ist mein Facebook-Tag. Ein knalliger Eintrag muss her. Aber end-knallig! Das letzte Katzenfoto hatte nur zwei magere Likes eingebracht. Irgendetwas, was zündet. Womit ich bekannter werde. Womit ich richtig stark geliked werde. Es muss doch möglich sein, dass ich mal bekannter werde. Höherer Bekanntheitsgrad, mehr Facebook-Likes, mehr Facebook-Freunde, mehr Leser von meinem Blog. Da geht doch was.

Böhmermann als Beispiel? Schon mal ein Anfang. Hat unheimlich viel Bekanntheit bekommen für ein Schmähgedicht, von dem er selber sagte, dass er es als Beispiel veröffentlicht, was nicht veröffentlicht werden darf, oder so. Aber nachher die Staatsanwaltschaft vor der Türe, muss nicht sein. Dann lieber ne andere Strategie.

Oder mal ne vorsätzlich fake news auf Facebook streuen und diese dann direkt als ‚fake news‘  bezeichnen? Hm. Nicht so gut, dieses ‚fake news‘. Da kommen dann die ganzen Pedanten aus den Löchern gekrochen und schimpfen mich wegen dem englischen Ausdruck ‚fake news‘, weil es bereits das ur-deutsche Wort ‚Falschmeldung‘ gibt. Nur ‚Falschmeldung‘ klingt einfach negativ. Schreib ich jedoch ‚Zeitungsente‘, dann kommt der Bundesagrarminister, dieser Freiheitskämpfer wider den fleischlosen Fleischbällchen, aber völlig-nicht-wider die literweise, vegane Kalthopfenschale, also dann kommt jener Bundesagrarminister Christian Schmidt der CSU und meckert, weil das wieder eine Täuschung des Verbrauchers sei. Facebook sei ja keine fleischhaltige Flugnachricht-Zuchtanstalt, und außerdem kenne er nur halbe, gebratene Enten mit Blaukraut aus Muttis Küche. Und dann noch, weil, mit Essen spiele man nicht.

Hm. Brauch ich nicht.

Oder doch!

Politikerschelte ist ja richtig populär. Die CSU-Flugente ‚Münchener Merkur‘  schrieb neulich, dass die als ‚Kabarettistin‘ bezeichnete Gruber Monika (schreibt man in Bayern so), also jene hat Zehntausend Likes erhalten, weil diese Gruber letztens eine Politikerin, jene Simone Peter aus NRW, als ‚dürrer Veggie-Hintern‘ und als ‚GrüPri‘  – Grubers Abkürzung für ‚Grünen-Pritschn‘ – bezeichnet hat. Nebenbei, ‚Pritschn‘ heißt ins Normaldeutsch übersetzt ‚Vagina‘, ‚Prostituierte‘. Es wird benutzt, um damit eine bösartige, aufsässige, klatschsüchtige Frau von einer ehrhaften, folgsamen, schweigsamen Frau abzugrenzen. Die eigene Wertsteigerung durch Abwertung einer anderen Person als Zeitgeist-Masche. Zehntausend Likes als Dreingabe zur Aufwertung und der Wertschätzung willen. Nur, wenn ich ‚GrüPri‘ und ‚dürrer Veggie-Hintern‘ verwendet hätte, also ich wäre dann als mieser Sexist und zusätzlich noch als elender Rassist öffentlich in Zeitungen gebrandmarkt worden.

Aber Frauen dürfen das. Und Christian Schmidt hat wohl auch nichts dagegen, dass der Hintern von jener Simone Peter als vegan klassifiziert wurde, obwohl da Fleisch drin ist. Die Bayern an sich dürfen das ja erst recht. Insbesonderes bei Leuten nördlich des Weißwurstäquators, auf welche die Bayern laut Grundgesetz ja eh nicht mehr schießen dürfen, auch wenn sie’s noch so sehr wollten. Tja, Stutenbissigkeit leben, das können nur Frauen wie Monika Gruber. Ausnahme vielleicht Mario Barth: bei dessen Programmen weiß ich nicht wirklich so genau, ob der in Wahrheit nicht doch ne Frau und dann auch noch mit Desiree Nick verheiratet ist.

Ich brauch ne Beleidigung, die sich gewaschen hat. Mit der ich auf Facebook geliked werde. Ich könnte was gegen Flüchtlinge, Mutti Merkel und Sarah Wagenknecht schreiben. Dann liest es vielleicht Dieter Nuhr und Alice Schwarzer, beide liken und teilen es mit wohlwollendem Kommentar. Das macht dann die ersten Tausend Likes. Eine Viertel Stunde später wird die AfD auf Schwarzers Vermerk aufmerksam und – Schwupps – habe ich fast ne Million Likes.

Nein, das ist es mir nicht wert. Zu billig. Und ich möchte auch nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden. Dieser parteigewordenen Kreuzung aus schlechten NRW-Witzen und Berliner Kalauern …

Es muss auch noch ein anderen Weg geben, um nach Komplimenten zu fischen. Katzenfotos bringen es nicht mehr. Außer vielleicht ein Foto von fünf, süßen, kleinen Katzenbabys. Putzig aus einem braunen Kartoffelsack schauend. Im starken Regen. Mitten auf dem Rhein. Und im Hintergrund, knapp zwei Meter dahinter, die riesige Bugwelle eines Schleppkahns …

Hätte wiederum etwas von AfD-Niveau. Mit Katzenfotos und AfD spielt man nicht. Obwohl, wenn ich so an Tiere denke … Tierschützer passen immer gut als Feindbild. Da sitze ich in einem Boot mit Christian Schmidt. Im gleichen Schleppkahn. Katzen ahoi!

Also. Nochmal. Es muss etwas her, was Aufmerksamkeit erregt. Irgendetwas, was zündet. Heureka, ich hab’s! Das ist es! Ich erstelle ne öffentliche Veranstaltung in Facebook. Einladung an alle:

Sonntag Abend, 21:00 Uhr, im Scheine des Mondes, öffentliche Dackel-Verbrennung auf dem romantisch verschneiten Münchner Marienplatz. Unterhalb der goldenen Mariensäule. Um Spenden an Zamperl, Reisigholz und guten Brandbeschleunigern wird gebeten. Mit anschließendem Absingen der Europa-Hymne am wärmenden Feuer. Hot-Dogs gibt’s gratis!

Genau. Absingen der Hymne an Freiheit, Frieden und Solidarität. Die ‚Ode an der Freude‘. Seid umschlungen Millionen! Töchter aus Elysium! Und Söhne freilich auch. Ludwig van ist doch immer passend zu so einem Event …, pardon, ‚Veranstaltung‘ heißt das.

Und weil die Hymne gesungen wird, kann ich es auch als politische Demonstration mit Partycharakter verkaufen. Sobald dann der erste Tierschützer auf meinem Eintrag meckert, kontere ich mit ‚Brunzbisslbled Verkloghafei‘ in Verbindung mit ‚deppater Kletznsepp‘ oder ‚damische Bluzn‘. Ist halt normaler bairischer Gendertalk. Und zack gehen die Likes in die Höhe. Der ‚Münchner Merkur‘ schreibt dann darüber, und Agrarminister Christian Schmidt kann darauf den Söder fragen, ob Dobrindt und Seehofer auch zum ‚Hot-Dog-Essen‘ auf den Münchner Marienplatz kommen. Singen können die ja, auch wenn deren Zungenschlag komplett nicht stimmt.

Hm. Vielleicht sollte ich auch vegan-vegetarsches Freibier organisieren, traditionell gebraut nach dem bayrischen Reinheitsgebot. Denn ansonsten kommt der Hintern von Seehofer garantiert nicht …

Wenn die Fahne weht, steckt der Verstand in der Trompete


„Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wie belieben?“

„Ich sagte Dir: Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wegen der Wahl in den USA?“

„Ich weigere mich in Zukunft, auch nur ein Wort Englisch zu sprechen!“

„So schlimm?“


„Erst der Brexit und dann der Trump. Von solchen Dummköpfen kann ich mich nur distanzieren und mit der Sprache fange ich an. Aus welchem Grund soll ich deren Sprache sprechen?“

„Um sie zu verstehen? Zwecks Völkerverständigung?“

„Scheiß auf Deine dummdreiste Völkerverständigung. Ich werde die Tommies und die Amies spüren lassen, dass ich keineswegs gewillt bin, ihre Sprache mehr zu sprechen. Soviel Eier habe ich, keine Angst. “

„Eine Frage der Eier?“

„Es kotzt mich an, dass die Sprache dieser Idioten Weltsprache sein soll. Die ist primitiv wie ihre Einwohner. Deren Mehrheit sind unverantwortliche, selbstherrliche Ignoranten. Sie sind dumm. Nicht böse, aber dumm. Sie haben keine Ahnung.“

„Jetzt haben Sie aber Donald Trump zitiert.“

„Was?“

„Sie haben mit Ihrem letzten drei Sätzen Donald Trump zitiert. Sie tanzen den Donald-Trump-Niveau-Limbo.“

„Na und? Warum darf ich nicht das sagen, was meine Freunde und jeder andere auch bereits im Internet auf Facebook und Twitter sagen? Was interessiert mich, was dieser Arsch mit Ohren auf zwei Beine ablässt? Der beleidigt doch, ich nicht. Ich sag nur die Wahrheit. Oder darf man die nicht mehr sagen? Oder hältst du etwa zu so einem Rassisten, Sexisten, Fremdenfeind und Umweltverächter, der unsere Welt in den Abgrund stoßen will?“

„Also sollte man wegen Brexit und Trump in Zukunft amerikanisch-englische Produkte und Geschäfte meiden und keine englisch-sprachige Musik mehr hören?“

„Vielleicht. Ich höre weiterhin Udo Lindenberg und die Toten Hosen.“

„Beide singen auch in Englisch.“

„Da schalte ich in Zukunft immer ab. Die Eier dazu habe ich.“

„Eier? Soso. Wissen Sie, was?“

„Was?“

„Wissen Sie, wie man mit rohen Eiern umgeht?“

„Wie?“

„Man haut Sie öffentlich in die Pfanne.“