Mierenneuken – Sodomie auf holländisch – Teil 2

So sitze ich denn geduldig am Flughafen und warte.
Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich fühl mich jetzt bereits völlig abgegriffen. Das Sicherheitsportal hatte gepfiffen. Oder gegongt. Oder so. Zumindest ist jenes Signal für die Kontrollierenden dahinter der Auslöser eines Pawlowschen Reflex, dass es wieder was zu begrabschen gibt. Frischfleisch für behandschuhte Hände.

Was ich da habe? Nein, das unter meinem T-Shirt ist kein Sprengstoffgürtel sondern lediglich meine Kalorienreserve für die nächste Hungersnot in Mitteleuropa.

So ruhe ich 120-Kilo-fleischgewordene-politisierende Überflußgesellschaft am Flughafen und stopfe mir zwei Tafeln Halbfettschokolade rein.
Geduldig.
Der Flug geht mit der KLM über Amsterdam nach Brüssel. Eine Stunde warte ich auf das Einsteigen, das Boarding. Und als ich dann drin bin, dauert es wieder mal eine ausgesprochene Weile.
So komme ich dann in Amsterdam an, als mein Anschlussflieger gerade von dort abhebt. Irgendwie müssen sich die Flieger, in dem ich saß, und der Flieger, in dem ich hätte sitzen sollen, auf den Rollbahnen begegnet sein. Bilde ich mir zumindest ein.
Freundlicherweise war mein Anschlussticket von der KLM schon umgebucht worden. Auf den letzten Flug des Tages. Vier Stunden Flughafenwarterei. Amsterdam.
Schön.

Was mir denn die KLM so als Ersatz anbieten könne?
Na, sie hätten mir doch schon den Flieger am Abend gebucht.
So, so. Und was sei nun mit meinen Terminen in Brüssel?
Hm, es gäbe keinen anderen Flug.
Klar, aber würde die KLM meinen mit einer kostenlosen Umbuchung sei alles abgegolten?

Die Frau lächelte unschuldig geduldig.

Ob ich denn wenigstens eine Einladung für die KLM-Lounge erhalten würde?
Sowas würde nur sehr restriktiv vergeben.
Ja, aber ich würde in der Lounge wesentlich entspannter und mit erheblich weniger Groll jene vier Stunden warten können.

Die Frau setzte ein strategisches Lächeln auf.
Das Gespräch verlief in Englisch. Mit Holländern rede ich prinzipiell nur Englisch. So anmaßend sollte ich nun wirklich nicht sein und bei denen Deutschverständnisse voraussetzen. Und meine fünf Worte Holländisch sollte ich denen nicht preisgeben. Sollte. Aber „soll“ heißt „muss“, wenn „kann“. Und wenn ich „nicht soll“, dann „kann“ ich auch „nicht müssen“. Und das aber volle Lotte.
Und da die klammheimliche Hoffnung auf KLM-Kulanz katastrophal gekappt worden war, konnte ich auch mein Wissen über das System der niederländischen Niedertracht anwenden.

Klar, erwiderte ich auf englisch der Frau verkühlt, eine Einladung in die KLM-Lounge würde sie ja auch nur wirklich wichtigen Leuten ausstellen. Aber ich sei ja nur ein 08-15-Bucher. Einer, der immer nur die billigen Tarife sich rauspicken würde. Ein Einzelner, an dem die KLM nicht wirklich verdient. Ich sei wohl eher klein und unbedeutend. Eher so etwas wie Kleinvieh. Die erst in der Menge genügend Umsatz für die KLM produzieren. Nicht wahr? Fast so wie der Stellenwert einer Ameise. Und die glaubt die KLM ganz ungehemmt immer nur ficken zu können. „Ameisenficken“ sozusagen.

„Oder wie sagt Ihr Niederländer es auf holländisch doch immer so treffend? ‚Mierenneuken‘.“

Aus war’s. Bei Ihr fuhren buchstäblich die Rolladen runter.
Ich hätte es nicht sagen sollen. Aber ich hab’s. Mit vollster Absicht. Absichtlicher ging es nicht mehr.
Sollte mich die Frau demnächst mal auf einen 12-stündigen Interkontinentalflug erwischen, dann setzt die mich garantiert in die Mitte vom Flieger. Eingeklemmt zwischen zwei dicken türkischen Muttis, die aus meinem Querschlank ein Hochschlank pressen werden.
Ich ergriff mein Ticket und verließ den KLM-Schalter.
Verloren hatte ich dort sowieso nichts mehr.
Verschissen zudem hatte ich auch noch.
Oder wie der Holländer fluchend sagen würde: „Verkloten!“

Und was ist nun mit der KLM?
Nun ja. Daar krij ik geen stijve van.
Ich will ja nur fliegen.

2 Gedanken zu „Mierenneuken – Sodomie auf holländisch – Teil 2

  1. Ja, dieses Argument kam auch, als ich nach einer Zugverbindung nach Brüssel verlangte. Es würde zu lange dauern, den Koffer heraus zu suchen und dann käme ich später in Brüssel als das Flugzeug an.
    Die Air-Franzel-Mentalität hat sich wirklich dort breit gemacht. Nichtsdestotrotz, ich habe 120000 Meilen auf jener M&M-Karte, nur komme ich nicht dazu sie zu verfliegen. Aber immer zu verlängern …
    6 Stunden nach Bremen? Da biste ja schneller mit nem Taxi. Kostenstelle KLM selbstverfreilich …

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  2. Traurig, aber die KLM leidet offensichtlich unter dem von Air France eingeschleppten Service-Verständnis. In einer Hinsicht darf ich Dich beruhigen – besseren Service gibt es auch mit Silber, Gold oder Platin-Card nicht. Mein Wunsch, in Schiphol den 6 Stunden-Warte-Anschluß nach Bremen gegen den 2 Stunden-Warte-Anschluß nach Hamburg zu tauschen, wurde aus angeblicher Sicherheitsproblematik abgelehnt. Soll heißen: Dein Koffer liegt da unten 6 Stunden rum und wir haben auch keinen Bock, den zu suchen und auf die Maschine nach Hamburg zu bringen. Die Verpflegung in der Lounge ist dann zwar kostenlos, aber ernährungstechnisch eingeschränkt, dafür ist der Internet-Anschluß kostenopflichtig. Service ist das auch nicht wirklich.

    Aber welche Alternativen gibt es? In der Regel keine oder teuer.

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