Dumme Arbeiter, schlaue Journalisten

Na also. Die Zeitung mit den vier blöd-roten Buchstaben hat wieder eine neue Serie eröffnet.

„Wer arbeitet, ist der Dumme“ titelte sie gestern.

Hört sich an wie „Der Ehrliche ist der Dumme“.

Aber im Zeitalter von WestLB, Nokia und IKB ist es nicht gerade opportun über Ehrlichkeit zu sprechen. Wenn woanders aufgrund der Fehlern von Sprücheklopfern, Windeiern und anderen Ahnungsbefreiten die Ehrlichkeit mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Dem Bade, in dem diese vorher ihre eigenen Hände in Unschuld gewaschen hatten, dann ist es unklug solch traditionelle Weisheitssprüche zu klopfen. Auf Holz klopfen soll zwar Glück bringen. Nur manchmal dröhnt dann doch der eigene Schädel, wenn mal wieder zu heftig auf dem Brett vor dem eigenen Kopf geklopft wurde.

Und als Zeitung für den niederen Instinkt ist der eigene Kopf generell zu hoch, um sich dauernd auf die eigene Holzbirne zu klopfen. Also wird generell das Bauchgefühl angesprochen. Am besten mit einem gezielten Schlag in Höhe der Magengrube. Entweder geht einem dann der Bauchinhalt nochmal durch den eigenen Kopf oder aber es passiert das, was immer passiert, wenn in übler Laune am Stammtisch zuviel Bier genossen wurde: Diarrhoe am Tag danach.

Statt des Ehrlichen sei jetzt der Arbeitende der Dumme.

Und heute dann die ver-Media-Markt-isierung mit dem Aufmacher:

„Arbeiten? Ich bin doch nicht blöd!“

So weit, so gut.

Die ersten Reaktionen gab es schon.

So sprach der bekannte Lehmann: „Das war’s, jetzt soll das ein anderer machen“

Nein, nicht der Torhüter Jens ist gemeint (zum Leidwesen aller Lehmann-Hasser) sondern der Kardinal Karl (zum Frohwesen aller Lehmann-Hasser).

Oder der Garlich, jener Unicef Dietrich, der ebenfalls aufhörte zu arbeiten, um die Verantwortung für Vertrauensschäden zu übernehmen. Nach Informationen gut unterrichteter Kreise soll er zuvor auch noch die süße Arbeitslast des Veruntreuens von Spendengelder übernommen haben. Aber das steht jetzt auf einem anderen Blatt geschrieben. Dem Blatt der Ermittler …

Der Meyer Hans ist auch schon von seinem Trainerposten beim FC Nürnberg zurück getreten. Gut, der Vorstand hat aktiv nachgeholfen und somit intellektuelle Nachhilfestunden dem Meyer angedeihen lassen.

Berti Vogts dagegen weigert sich noch als Nationaltrainer Nigerias aufzuhören und ebenfalls nicht zu arbeiten. Aber auch hier wird es wohl bald Anti-Blödheit-Schulungsmaßnahmen vom nigerianischen Fußballverband speziell für Bööööörti Vogts geben.
Dummheit schützt vor Aufschlauen nicht.

Erstaunlich, was so ein paar gezielt platzierte Titelschlagzeilen doch bewirken können. Ab nächster Woche werden wohl die Schlangen vor dem Arbeitsamt wieder länger und die Arbeitslosenzahlen ins wilde Kraut schießen.

Oh du süße Last des Schlange-Stehens!

Arbeiten? Ich bin doch nicht blöd!

Will heißen: geistig Unterbemittelte arbeiten, die Klugen unter uns arbeiten nicht.

Das ist fast so schön wie „Dummheit frisst, Intelligenz säuft“.

Womit auch klar wird, dass arbeitslose Straßenpenner mit der 5-Liter-Flasche italienischer Bauerntrunk einfach die Intelligenzia Deutschlands präsentieren, weil sie strategisch geplant sich in deren eigenes Grab saufen. 100 % Zielerfüllung über rentenneutrales Ableben. Und als vereinbarte Incentive gibt es dann auch kein Sterbegeld mehr.

Und damit wird es seit heute jedem Menschen recht klar sein:

Bei der Vier-Buchstaben-Zeitung gibt es keine intelligente (also „keine nicht blöden“) Journalisten. Denn dann hätte die heutige Ausgabe des Blattes nicht erscheinen dürfen. Weil intelligente Menschen ständen schon seit heute morgen mit Antragsbögen auf Hartz IV an irgendwelchen Schaltern des deutschen Behördentums.

Aber die Realität ist härter. Jene exquisite Journalistenschar arbeitet auch noch weiterhin für die BLÖD-Zeitung, weil sie deren eigene Aufmacher nicht verstehen.

Ist das nicht blöd, ne?

Ach ja. Nebenbei: Ich selber bin auch blöd.

Mit vollem Vorsatz und ich fühl mich gut dabei.

Genau!

No brain, no pain.

Da bin ich vollkommen schmerzfrei.

Und blöd.

Weil ich arbeite.

Seelig sind die geistig Armen, denn meiner ist jetzt auch das Himmelreich.
Reich ins Heim mit Arbeit.

Und darauf jetzt ein satt dahin gerotztes:

„Mahlzeit!“

5 Gedanken zu „Dumme Arbeiter, schlaue Journalisten

  1. Ja, richtig so! Schön, dass du dir die Arbeit gemacht hast, die Dinge einmal richtig zu stellen. Es ist dann über deine treffenden Beispiele hinaus noch zu fragen, wieso es Vorstände gibt, die in einem Monat mehr verdienen als ein dummer Arbeiter im ganzen Leben.

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